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Ullikummi, der steinerne Mann

Als Kumarbi, der listigste der Götter, den alten Anu vom Thron gestürzt hatte, glaubte er, nun selbst der Herr aller Götter zu sein und im Himmelspalast residieren zu können. Doch der mächtige Sturmgott rief den Wirbelwind und das Gewitter, den kalten Westwind und den alles verdorrenden Ostwind zu Hilfe und vertrieb Kumarbi. Sich selbst setzte der Sturmgott als obersten der Götter ein, und er be­herrschte nun den Himmel.
Kumarbi sann auf Rache. Er saß auf der Erde und überlegte, wie er den Sturmgott entmachten könnte. Listige Gedanken ersann der Gott, und er fädelte sie zusammen wie Perlen auf eine Schnur. Ein Plan entstand in ihm, den er alsbald auszuführen gedachte. Ein gewaltiges Wesen wollte er schaffen, das den Himmel stürmen, den Götterpalast zerstören, die Götter aus dem Himmel vertreiben sollte. Dann könnte er, Kumarbi, kommen und den Thron des obersten Gottes wieder einnehmen. So überlegte Kumarbi.
Kumarbi eilte zur Göttin der See, die ihn liebte. Sie sah ihn kommen und ließ Zedernholz spalten, damit er es warm hatte, Speisen bereiten, damit er sich sättigen konnte. Musikanten spielten mit Har­fen und Zimbeln auf, den ganzen Tag und die ganze Nacht. Kumarbi und die Göttin der See aßen und tranken, dann legten sie sich nieder, um zu schlafen.

Monate später brachte die Göttin der See einen Knaben zur Welt, der war ganz aus Stein. Kumarbi, sein Vater, betrachtete den Jungen und liebkoste ihn. Dann sagte er: Ullikummi, der Schaft, soll unser Sohn heißen ; denn wie ein Schaft wird er aus der See ragen. Bis zum Himmel wird er wachsen und den Palast der Götter zerstören. Den Sturmgott wird er wie einen Sterblichen in Stücke reißen, die Götter zertreten wie Schilf und zerbrechen wie leere Töpfe."
Kumarbi ging mit seinem Sohn in das Innere der Erde zu den unteren Göttern. Er bat sie: "Nehmt das Kind und pflanzt es auf die rechte Schulter des Riesen Ubelluri, der die Welt auf dem Rücken trägt. Dort soll es stehen und durch die See hindurch wachsen, eine Elle an jedem Tag, bis es den Himmel erreicht."

Die Götter der unteren Welt taten, wie Kumarbi ihnen aufgetragen hatte. Auf der Schulter des Riesen Ubelluri wuchs das steinerne Kind Ullikummi. Das Wasser der See, seiner Mutter, umspülte seine Füße. So wuchs es durch die See hindurch, hoch wie ein Baum, hoch wie ein Tempel, wie ein Berg, ragte schließlich in den Himmel hinein und erreichte mit seinem steinernen Kopf das Haus der Götter.

An diesem Tage zog der Sonnengott eine Bahn am Himmelsbogen. Als er Ullikummi erblickte, blieb er vor Schreck stehen. Dann kehrte er besorgt zum Horizont zurück, was noch nie geschehen war. Er suchte den Sturmgott und zeigte ihm das steinerne Ungeheuer, das die See hervorgebracht hatte und das wie ein Schaft zum Himmel ragte.
Der Sturmgott erschrak, ohnmächtig schüttelte er die Faust gegen das schreckliche Wesen. Er setzte sich nieder, und Tränen strömten aus seinen Augen wie Bäche. Weinend sagte er: „Dieser steinerne Mann wird den Himmel umstürzen. Doch wer soll es ihm wehren und gegen ihn kämpfen?"

Die Göttin Ischtar hörte den Sturmgott, ihren Bruder, klagen und eilte herbei. Als sie das steinerne Ungeheuer aus der See ragen sah, sagte sie: "Aus dem Wasser wächst Ullikummi, der Sohn der Seegöttin, aus dem Wasser gewinnt er seine Stärke. Astabi, der Gott des Krieges und der Kämpfe, soll ihm das Wasser entziehen. So verliert er seine Kraft."

Der Sturmgott freute sich über Ischtars Worte. Er holte seinen Streitwagen und übergab ihn Astabi. Auch die anderen siebzig Götter brachten ihre Streitwagen herbei. Der Kriegsgott hängte die Wagen zusammen, spannte seinen eigenen Streitwagen davor, sprang hinein und trieb den ganzen Zug donnernd in die See. Eine tiefe Furche zog Astabi im Wasser rund um Ullikummi. Doch hoch auf bäumte sich das Meer, stürmten die Wogen. Astabi und die siebzig Götter konnten die Flut nicht halten. Die Wellen schlugen über ihnen zu­sammen. Mit Mühe nur entkamen sie dem tosenden Wasser. Der steinerne Mann aber stand wie vordem. Der Himmel erzitterte vor ihm, und die Erde bebte. Er stieß das Himmelsdach aufwärts, als wäre es aus Stroh. Ullikummi stand wie ein Turm. In den Ländern, auf die sein Schatten fiel, starben die Menschen vor Kälte.

In seiner Not ging der Sturmgott nach Apsu, wo Ea, der alte Gott der Weisheit, wohnte. Er beschwor ihn: „Willst du zulassen, dass der steinerne Mann den Himmel zerstört und die Menschen ausrottet? Bringen sie uns, den Göttern, nicht Opfer genug und Zedernholz für unsere Tempel? Werden die Menschen vernichtet, dann kümmert sich niemand mehr um die Götter. Niemand opfert ihnen Korn und Getränke. Es wird so weit kommen, dass der Sturmgott selbst den Pflug führen, dass Ischtar den Mahlstein drehen und Brot backen muss."
Ea bedachte sich. Dann ging der Gott der Weisheit in das Innere der Erde hinein zu Ubelluri, dem Riesen, der die Welt auf dem Rücken trug.
„Weißt du", fragte Ea den Riesen, „dass Kumarbi seinen steinernen Sohn auf deine rechte Schulter gesetzt hat, damit er zum Himmel wachse und den Palast der Götter zerstöre? Schon können die Götter nicht mehr in ihr Haus gelangen, weil er die Wege versperrt. Kannst du nichts tun gegen ihn, der wie ein Schaft auf deiner Schulter steht?"
Der Riese Ubelluri antwortete: „Als die alten Götter die Welt auf mir schufen, spürte ich nichts davon. Als sie mit einem kupfernen Messer den Himmel von der Erde trennten, merkte ich nichts. Jetzt fühle ich nur, dass meine rechte Schulter ein wenig wund ist. Aber von jenem steinernen Mann weiß ich nichts."

Als Ea diese Worte hörte, hatte er einen Gedanken. Er kehrte zurück zu den siebzig Göttern und sagte: „Öffnet die alten Lager­häuser und sucht das kupferne ,Messer, mit dem Himmel und Erde getrennt wurden."
Die Götter suchten das Messer und fanden es in einem Speicher. Ea nahm es und durchschnitt dem steinernen Mann die Sehnen der Füße. Ullikummi, dessen Kopf in den Himmel ragte, merkte nicht, was mit seinen Füßen geschah, die unter der See tief in der Erde auf den Schultern Ubelluris ruhten. Ihm war, als hätte ihn eine Mücke gestochen. Ea kehrte zu den anderen Göttern zurück. Er erzählte, was er getan hatte, und forderte sie auf; gegen den steinernen Mann zu kämpfen. Da nahm der Sturmgott all seinen Mut zusammen. Und während die siebzig Götter wie Stiere brüllten, um Ullikummi zu Verwirren, sprang er in seinen Streitwagen. Donnernd sprengte er in die See, geradewegs auf den steinernen Mann zu.
„Was willst du, Gott des Sturms", höhnte Ullikummi. „Komm und kämpfe! Aber zuvor höre, was geschehen wird. Auf den Himmelsthron setze ich mich, euren Palast zerstöre ich, die Götter vertreibe ich, in meinem Schatten erfrieren die Menschen."
Ohne ein Wort zu erwidern, drang der Sturmgott auf Ullikummi ein. Im ersten Anprall warf er den steinernen Mann, dessen Füße zerschnitten waren, ohne dass er es wusste. In der See versank Ullikummi.

Der Himmel war frei für die Götter. Der Schatten des steinernen Mannes verschwand von der Erde. Die Menschen konnten die Sonne wieder sehen.

ENDE

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