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Aktion für
Biologische
Medizin

Freie
Anthroposophische
Vereinigung

 

 

 

Rundbrief 5 (Juli 2003)

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Editorial (Ursula Buchleitner)
Freies Geistesleben und die Wahrheitsfrage
Teil I: Wie man mit Generalversammlungsbeschlüssen umgeht
Teil II: Zum Brief des Vorstandes an die Mitglieder …. (Dr. Karl Buchleitner)
Gemeinsame Presseerklärung  der „Anthroposophischen Gesellschaft, Christian Rosenkreutz-Zweig, Hamburg e. V. und der „Freien Anthroposophischen Vereinigung“, Pforzheim
Austritterklärung (Dr. Gerhard von Beckerath)
Zur aktuellen Situation der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach (Schweiz), Chronologie der Ereignisse (Andreas Wilke)
78 Jahre Anthroposophische Gesellschaft (AG) – Wirklichkeit, Gespenst, Täuschung?
 (Dieter Dürich)
Gefangenschaft der Geistesleere - Gedanken über die Hintergründe zweier Vermächtnisse
(Irene Diet)

 

Sehr verehrte Freunde,

diese Ausgabe unseres Rundbriefes beschäftigt sich vorwiegend mit dem Geschehen in Dornach. Die Beschäftigung damit ist deshalb so wichtig, weil der jetzige Vorstand Wege sucht, sich als Nachfolger Rudolf Steiners  - auch im Esoterischen – installieren zu lassen. Dies geschieht unter Mißachtung der Tatsache, dass nur durch Rudolf Steiner eine Verbindung mit den Meistern möglich war („Die Weihnachtstagung ist deshalb esoterisch, weil ich ihr Vorsitzender bin“.) Was es für Rudolf Steiner bedeuten würde, wenn dieser Anspruch gerichtlich aktenkundig würde, kann nicht ermessen werden.
Gegen eine Satzung der AG, angelehnt an die Satzung der Weihnachtstagung ist nichts einzuwenden, solange nicht die Kontinuität der Weihnachtstagung behauptet wird. Aber das Lesen der Klasse als Michaelschule, die Behauptung der Fortführung der Hochschule ohne Benennung eines Nachfolgers verletzt die Rechte Rudolf Steiner. Gegen die juristische Festlegung dieser Behauptungen mußten wir klagen.

In den Beiträgen von Irene Diet und Dieter Dürich geht es um die spirituellen Hintergründe der Gegnerschaft, mit denen wir konfrontiert sind, die aber in der offiziellen Gesellschaft nicht beachtet werden.

Die Austrittserklärung von Dr. von Beckerath zeigt in erschütternder Weise die Betroffenheit eines langjährigen Mitgliedes, das sich jahrzehntelang für Gestaltungsfragen in der Anthroposophischen Gesellschaft eingesetzt hat. Der Vorstand in Dornach scheint froh zu sein, einen Unruhestifter weniger zu haben. Noch bedauerlicher ist das Verhalten der „tätig sein wollenden Mitglieder“ im Pforzheimer Zweig, die diesen Austritt zur Kenntnis nehmen und keine Veranlassung sehen, ihm auf den Grund zu gehen.

Aber mit einer schlafenden Mitgliedschaft, die sicher mit 99,9% Zustimmung dem Vorstand am 16. November 2003 zujubeln wird - es sei denn, die Klage ist in unserem Sinne entschieden - kann ein Vorstand, dessen „Wille unberührt bleibt“, alles anfangen.

Wir sollen uns in der nächsten Zeit mehr mit dem Schicksal Kaspar Hausers beschäftigen. Einen Anfang machen wir mit der Tagung am 12./13. Juli 03 zu der Sie bereits eine Einladung bekommen haben. Wir legen  die Kaspar-Hauser-Nachrichten mit interessanten Beiträgen bei. Sie werden von Dr. Rudolf Biedermann herausgegeben.

Zuletzt zur gesundheitspolitischen Situation: Die Regierung plant in einem Handstreich, die biologische Medizin zu beseitigen. Es würde darauf hinaus laufen, wenn die Paragrafen 34 und 73 im geplanten Gesundheitsrefomgesetz unverändert blieben.
Nach § 34 würden zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen nur noch homöopathisierte Einzelmittel übrig bleiben. Alle sonstigen anthroposophischen und homöopathischen Präparate, also alle Kombinationen mit Indikationen sprich Anwendungshinweisen sowie alle phytotherapeutischen (pflanzlichen) Präparate würden aus der Kassenerstattung herausfallen.
Nach § 73 dürften auch die restlichen potenzierten Mittel nur noch von Hausärzten, nicht mehr von Fachärzten und nicht mehr in Kliniken angewendet werden.
Die Aktion für Biologische Medizin (Patientenvereinigung) und die Hufelandgesellschaft für Gesamtmedizin (Vereinigung der biologischen Ärztegesellschaften) haben mit einer großen Aufklärungsaktion begonnen.
Wir legen Ihnen Informationsblätter bei. Die Sache kostet natürlich Geld, so dass wir auch sehr froh wären, wenn Sie etwas spenden könnten.

Es geht jetzt nicht mehr allein um die Erhaltung der biologischen medizinischen Richtungen wie Anthroposophische Medizin, Homöopathie und Phytotherapie, sondern es geht um den Erhaltung der in Mitteleuropa entstandenen naturheilkundlichen Medizin.

1990 verabschiedete der Deutsche Bundestag folgende Entschließung: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, bei der Erstellung von EG-Richtlinien und Verordnungen sowie bei deren Umsetzung zu bewirken, dass der naturheilkundliche Arzneischatz voll erhalten bleibt.“

Gegen diesen Bundestagsbeschluß verstößt die Bundesregierung rücksichtslos mit dem neuen Gesetzentwurf. Es hängt von unseren Aktivitäten ab, ob wir etwas erreichen. Hoffentlich bleibt der Wille des Gesetzgebers davon nicht „unberührt“.


Ursula Buchleitner
Zu den Eichen 14
75378 Bad Liebenezell



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Freies Geistesleben und die Wahrheitsfrage
Teil I: Wie man mit Generalversammlungsbeschlüssen umgeht!

Dr. Karl Buchleitner

Bei der Generalversammlung in Dornach am 15./16. April 2000 stellte ich den Antrag: „In aller Offenheit eine unvoreingenommene Forschung über den Verbleib der Weihnachtstagung zu initiieren und über diese Arbeit die anthroposophische Öffentlichkeit zu informieren“. Ich begründete den Antrag mit der Tatsache, „dass es sich bei der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (dem umbenannten Bauverein) und der Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagungsgesellschaft) um zwei verschiedene Gesellschaften handelt. Diese Tatsache wird auch durch das vom Vorstand in Auftrag gegebene Gutachten von Prof. Riemer - veröffentlicht im Nachrichtenblatt 14/2000 - bestätigt. Nachdem es sich bei der heutigen „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ um den umbenannten Bauverein handelt, bleibt die Frage nach dem Verbleib der Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagungsgesellschaft) offen“.
Aus dem Protokoll: „Im Anschluß an die Verlesung des Antrages stellt der Versammlungsleiter die Frage an den Antragsteller, ob er bereit sei, den Antrag in ein Anliegen umzuwandeln. Anschließend meldet sich Dr. Benediktus Hardorp zu Wort und schlägt vor, den Antrag von Dr. Karl Buchleitner in die Arbeitsgruppe zur Konstitution aufzunehmen. Karl Buchleitner antwortet auf den Vorschlag des Versammlungsleiters, dass er bereit sei, den Antrag in ein Anliegen umzuwandeln, wenn dieses Anliegen zum Thema einer Arbeit gemacht wird. Dr. Hardorp erklärt daraufhin, dass die Frage nach dem „Verbleib der Weihnachtstagung die wichtigste Frage sei und von der Arbeitsgruppe zur Konstitution aufgenommen werden soll und Karl Buchleitner zur Mitarbeit eingeladen werden soll. Daraufhin erklärt Karl Buchleitner sich unter dieser Bedingung damit einverstanden, dass der Antrag in eine Anliegen umgewandelt wird.“
Im Gegensatz zu der Erklärung bei der Generalversammlung wurde ich niemals zu der Arbeitsgruppe „Zur Konstitution“ im Hinblick auf die Frage nach dem „Verbleib der Weihnachtstagung“ eingeladen.
Nachdem im Nachrichtenblatt vom 13. Mai 2001 ein „erstes Ergebnis der Arbeitsgruppe zur Klärung der Konstitutionsfrage“ erschien, in dem meine Gesichtspunkte nicht berücksichtigt wurden, da ich sie in der Gruppe nicht darstellen konnte, schickte ich eine Stellungnahme zur „Konstitutionsfrage“ an die Redaktion des Nachrichtenblattes mit der Bitte um Veröffentlichung.
Die Veröffentlichung wurde abgelehnt mit der Begründung, dass zur Konstitutionsfrage nur überdie Arbeitsergebnisse der eingerichteten Arbeitsgruppe im Nachrichtenblatt berichtet werden.
Ich erhielt eine Kopie des Briefes mit entsprechender Kurzmitteilung. Seither habe ich nichts mehr in dieser Frage von der Redaktion des Goetheanum bzw. von Herrn Wittich (Sekretär der Arbeitsgruppe) gehört. Ich schrieb daraufhin an Herrn Rapp, Redakteur des Nachrichtenblattes. Auch von dort habe ich seither nichts mehr gehört.
Inzwischen wurde die Konstitutionsgruppe vom Vorstand aufgelöst. Es ist unglaublich, wie man mit Beschlüssen der Generalversammlung und mit Mitgliedern umgeht. Im Folgenden mein nicht veröffentlichter Beitrag:



Thema Konstitution
Im Nachrichtenblatt vom 13. Mai 2001 erschien ein „erstes Ergebnis der Arbeitsgruppe zur Klärung der Konstitutionsfrage der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und zur Erarbeitung eines Entwurfes ihrer erneuerten Verfassung“. Es wird in diesem Beitrag festgestellt, dass in der Satzungsänderung vom 8. Februar 1925 der Bauverein seinen Namen in „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ änderte und sein Charakter grundlegend verändert wurde. “ Er wurde nicht zu dem in Rudolf Steiners Gestaltungsintention deutlich erkennbaren Organ der Leitung des AAG-Ganzen am Goetheanum,  sondern er repräsentierte jetzt den Typus eines demokratisch offenen Vereins, in welchem die Bestimmung aller Vereinsangelegenheiten letztlich in der Verantwortung und Entscheidungsbefugnis der Mitgliederversammlung liegt. Damit trat im Verein der AAG das kollektivistische Abstimmungsprinzip an die Stelle des kollegial orientierten Leitungsprinzips.“
Dieser Verein – also der umbenannte Bauverein – ist seit der Bekanntgabe dieser Versammlung im Nachrichtenblatt vom 22. März 1925 im Bewußtsein der Mitglieder als AG der Weihnachtstagung. Dies wurde ermöglicht bzw. verstärkt durch die Vorstandsmitteilung, in der verschwiegen wurde, dass es sich am 8. Februar 1925 um eine Generalversammlung des Bauvereins  handelte. Es wurde dagegen der Eindruck erweckt, als  ob es sich bei der Versammlung vom 8. Februar 1925 um eine Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft handelte. Dabei stimme ich der Anmerkung von Günter Röschert zu: „Wir wissen nicht, ob Rudolf Steiner das Ergebnis der Versammlung vom 8. Februar 1925 wirklich hingenommen hat, und wir wissen vor allem nicht, ob er der Vorstandsmitteilung vom 22. März 1925 zustimmte.“
Es bleibt die Frage nach dem Schicksal der Weihnachtstagungsgesellschaft, die durch die Vorgänge vom 8. Februar 1925 nicht berührt war.
Es gibt noch einen Hinweis auf diese Gesellschaft, nämlich bei der Einladung zur „ordentlichen Generalversammlung auf Dienstag den 29. Dezember 1925 vormittags ½ 12 Uhr.“ Hier kann es sich nur um die Generalversammlung der AAG (des umbenannten Bauvereins) handeln. Es findet sich aber noch klein gedruckt ein schüchterner Hinweis auf die Weihnachtstagungsgesellschaft: „Vor dieser Versammlung findet um 10 Uhr eine Vorversammlung für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft statt.“
Wir wissen nicht, ob diese Versammlung überhaupt stattgefunden hat. Es sind keine Notizen darüber bekannt. Bis zu diesem Zeitpunkt existierten also zwei Vereine, nämlich die AAG (der umbenannte Bauverein) und die AG der Weihnachtstagung. Dieser Hinweis vom 29. Dezember 1925 war der letzte Schein der Weihnachtstagungsgesellschaft. Von da ab gab es nur noch den eingetragenen Verein AAG (den umbenannten Bauverein). Bis zum 29. Dezember 1925 existierten also – zumindest theoretisch – zwei Vereine. Nach diesem Datum von zwei Vereinen zu sprechen ist nicht mehr berechtigt. Insofern ist es nicht verständlich, wie die Konstitutions-Arbeitsgruppe doch noch von zwei Vereinen spricht, nämlich dem eingetragenen Verein der AAG und der während der Weihnachtstagung 1923 gebildeten AG mit der Hochschule. Übrigens ist die Nennung der Hochschule an dieser Stelle unberechtigt. Sie ist nämlich kein Anhängsel der Weihnachtstagung, sondern ein selbständiges Organ (Punkt 11 der Statuten: „ Die Einrichtung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft obliegt zunächst Rudolf Steiner, der seine Mitarbeiter und seinen eventuellen Nachfolger zu ernennen hat“.)
Nach dem 29. Dezember 1925 handelt es also nur noch um einen Verein. Die Weihnachtstagungsgesellschaft ist nicht aufzufinden. Den letzten Hinweis auf sie finden wir in den in Prinzipien umbenannten Statuten der AG der Weihnachtstagung, die den im Handelsregister eingetragenen Statuten der AAG beigelegt sind. Es gibt keinen Anhalt dafür, dass in der AG der Weihnachtstagung beschlossen wurde, die Statuten in Prinzipien umzubenennen und sie einem anderen Verein beizulegen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass vom 8. Februar 1925 bis zum 29. Dezember 1925 zwei Gesellschaften existierten: eine AAG und eine AG. Nach dem 29. Dezember 1925 ist nur noch die AAG zu bemerken. Warum spricht Rudolf Steiner schon am 18. Januar 1924 von der Möglichkeit des „ Verduftens“ der Weihnachtstagung? Die Frage nach dem Schicksal der Weihnachtstagung ist die vordringlichste Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft und sollte auch von der Arbeitsgruppe zur Konstitution aufgenommen werden.


Teil II: Zum Brief des Vorstandes an die Mitglieder über das weitere Vorgehen im
         Konstitutionsprozeß, veröffentlicht im Nachrichtenblatt 9/2003

Im Nachrichtenblatt 9/2003 wurde ein Brief des Vorstandes an die Mitglieder veröffentlicht. Wir haben daraufhin am 03. März 2003 eine Stellungnahme an die Redaktion des Nachrichtenblattes gesendet mit der Bitte um Veröffentlichung. Dies ist bis heute (10. April 2003) nicht erfolgt. Auch eine Anfrage (31.03.03), wann diese Stellungnahme veröffentlicht werden wird, blieb bisher ohne Antwort.
In dem Brief behauptet der Vorstand, es sei Rudolf Steiners Absicht gewesen, die Weihnachtstagung zu einem zentralistischen Verein auszubauen, in das Handelsregister einzutragen und alle anderen Aktivitäten einzugliedern.
Wir halten diese Behauptung für grundsätzlich falsch. Rudolf Steiner intendierte das Gegenteil; er schrieb am 30. Januar 1924 im Nachrichtenblatt: „Es muß nun nach und nach dazu kommen, daß wir hier in Dornach gewissermaßen als in einem Musterbeispiel dasjenige einrichten, was ferner in der Anthroposophischen Gesellschaft sein muß. Das kann aber nur geschehen, wenn wirklich hier in Dornach auch ein durchdringendes allgemeines Verständnis von dem vorhanden ist, wie in der Zukunft die Gliederung der Gesellschaft und ihre allgemeine Konstitution gedacht ist.“ (GA 260a, S.112)
Am 8. Februar 1925 wurde der Bauverein umbenannt in Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, als solche ins Handelsregister eingetragen, er umfaßte vier Unterabteilungen, darunter die „Administration der Anthroposophischen Gesellschaft“, den Verlag, die Administration des Goetheanumbaues und das Klinisch therapeutische Institut in Arlesheim. Die Satzung der Weihnachtstagung war davon unberührt. Sie konnte sich „frei von allem Vereinsmäßigen“ ihren spirituellen Aufgaben widmen.
Diese Anmeldung wurde von Rudolf Steiner unterschrieben. Es kam nicht zu dieser Gliederung, weil durch ein irreführendes Protokoll, von Rudolf Steiner nicht unterschrieben, der Eindruck entstand, dass es sich bei dem eingetragenen Verein (nämlich Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, früherer Bauverein) um die Weihnachtstagung handelte. Diese Unwahrheit hat sich bis vor etwa zwei Jahren gehalten. Auf sie aufmerksam zu machen wurde mit Ausschluß bedroht, z. T. wurde der Ausschluß auch vollzogen.
Nun schrieb der Vorstand am 2. März 2003 in dem Brief an die Mitglieder: “Rudolf Steiner hatte beabsichtigt, die bei der Weihnachtstagung 1923/24 begründete Gesellschaft in das Handelsregister einzutragen.“ Das Gegenteil ist wahr. Aus dem genauen Studium des zitierten Vortrages Rudolf Steiners vom 29. Juni 1924 (GA 260a, S. 501 ff.) ergibt sich der Wille zu einer gegliederten Gesellschaft mit einer damals geplanten neu zu gründenden “Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ als Dachorganisation, handelsregisterlich eingetragen mit vier nicht eingetragenen Unterabteilungen: „Erstens in der Anthroposophischen Gesellschaft selber ..., die wird als Anthroposophische Gesellschaft im engeren Sinne, als die erste Unterabteilung fortbestehen“. (GA 260a, S.504)
Am 8. Februar 1925 wurde diese Gestaltung im Prinzip durchgeführt. An Stelle einer neu zu gründenden Dachorganisation wurde der Bauverein mit Namensänderung eingesetzt.
Nach dem Tod Rudolf Steiners wurde der Eindruck erweckt, es handele sich bei diesem Verein um die Weihnachtstagungsgesellschaft. Es fiel nur wenigen auf, dass z. B. der Ausschlußparagraph nicht zur Weihnachtstagungsgesellschaft gehören kann, weil die einzige Bedingung für die Mitgliedschaft darin besteht, „in dem Bestand einer solchen Institution, wie sie das Goetheanum in Dornach als Freie Hochschule für Geisteswissenschaft ist, etwas Berechtigtes“  zu sehen.
Es stehen sich jetzt zwei Auffassungen gegenüber: Eine zentralistische Version - es gäbe nur eine Gesellschaft, die alles verantwortet, Besitzfragen, Rechtsfragen und dann natürlich auch spirituelle Aufgaben, im Prinzip seit dem Tod Rudolf Steiners von allen Vorständen vertreten. Auf der anderen Seite, die von Rudolf Steiner intendierte Gliederung, die dem Vorstand zwar weniger Macht gibt, ihn dafür aber für geistige Initiativen freisetzt. Allerdings eine Voraussetzung muß gegeben sein: Der spirituelle Gehalt der Weihnachtstagung kann heute von niemandem beansprucht werden. Man kann Satzungsänderungen durchführen, neue Statuten beschließen, man kann eine Satzung nach dem Modell der Weihnachtstagung entwerfen, allerdings ohne Bezug auf deren spirituellen Gehalt. Die Weihnachtstagung ist mit dem Schicksal Rudolf Steiners verbunden, sie war esoterisch „weil ich ihr Vorsitzender bin“. Die Leitung der anthroposophischen Bewegung bedingt, „daß dasjenige, was im Zusammenhange mit mir geschieht, ich selber in der Lage bin, hinaufzutragen in die geistige Welt, um nicht nur eine Verantwortung zu erfüllen gegenüber von irgend etwas, was hier auf dem physischen Plane ist, sondern eine Verantwortung, die durchaus hinaufgeht in die geistigen Welten.“ (Beilage zu GA 260a, S. 17)  Dies kann kein heute Lebender für sich beanspruchen. Rudolf Steiner hat keinen Nachfolger für die Hochschule ernannt, wie in der Satzung der Weihnachtstagung „eventuell“ vorgesehen. Er schrieb von der Möglichkeit des „Verduftens“. Das sind Fragen, die geklärt werden müßten, ehe jemand glaubt, die Weihnachtsta-gung mit ihrem spirituellen Gehalt, die seit 77 Jahren nicht mehr in Erscheinung getreten ist, durch einen Mehrheitsbeschluß einer Mitgliederversammlung, wieder auf Erden zur Wirkung bringen zu können.
Der Versuch, die Weihnachtstagung mit ihrem esoterischen Gehalt zu rekonstituieren, ist eine Ungeheuerlichkeit dem Schicksal Rudolf Steiners gegenüber. Es ist uns unverständlich, und nach unserer Auffassung ein okkultes Phänomen, dass diese Fragen niemals von Seiten der Dornacher Vorstände offen behandelt wurden. Aus diesem Grund waren wir gezwungen, die Klage gegen die Beschlüsse der Mitgliederversammlung vom 28./29. Dezember 2002 einzureichen.

* * *
Ich konnte erwarten, dass meine Stellungnahme an derselben Stelle im Nachrichtenblatt veröffentlicht wird, da es sich um eine entscheidende Frage handelt. Auch konnte ich erwarten, dass ich als einer der im Nachrichtenblatt genannten Kläger zu diesem Thema gehört werde. Nichts von alledem. Keine Reaktion, nicht einmal eine Empfangsbestätigung meines Schreibens.  Erst als wir meine Stellungnahme in das Internet stellten (manchmal hat diese ahrimanische Erfindung doch etwas Gutes) bequemte sich die Redaktion zu einer verschwommenen Empfangsbestätigung. Mein Schreiben wurde wie eine unnötige Äußerung zu einem unnötigen Thema abgetan, natürlich nicht ohne die Belehrung, dass eine „konkrete und auf die Zukunft gerichtete Arbeit“ noch wesentlich nötiger wäre. Vor allem „um die Aufgabenstellungen der Anthropsophischen Gesell-schaft nicht aus den Augen zu verlieren“.  Mit dem Unterton, als habe da ein Ignorant ein völlig unnötiges Thema aufgegriffen, nur um die verantwortlichen Funktionäre von ihrer Arbeit abzuhal-ten.
Ich müßte dies zur Kenntnis nehmen, wenn man mir beweisen könnte, dass Rudolf Steiner beabsichtigt hatte, die Weihnachtstagung in das Handelsregister einzutragen und die anderen Aktivitäten einzugliedern. Nachdem das bis jetzt nicht gelungen ist, müßte man von allen Seiten sich um die Wahrheit bemühen.
Vielleicht hilft die Äußerung Rudolf Steiners vom 20. September 1912 weiter. Wir müssen als „höchstes, heiligstes Gut, das wir haben, immer die Wahrhaftigkeit pflegen, niemals Konzessionen machen, die gegen die Wahrheit verstoßen, denn an der Wahrheit darf sich der Esoteriker nie versündigen. Es ist schrecklich und schwerwiegend, wenn ein Esoteriker die Wahrheit um der Brüderlichkeit willen verdreht, wenn er, um einen Menschen nicht zu kränken, die Wahrheit auch nur im geringsten trübt, denn er schadet auch dem betreffenden Menschen damit“. (GA 264, S. 336)  

* * *
Im Nachrichtenblatt vom 18. Mai 2003 erschien im „Rechenschaftsbericht des Vorstandes“ ein Bericht von Paul Mackay zu diesem Thema.
Anfangs wird von der Weihnachtstagung 1923 berichtet, und dass „die Weltgesellschaft mit ihren verschiedenen Gruppen, die autonom ihre eigene Verfassung bestimmen, seelisches Leben pflegt und, dass auch hier am Goetheanum entsprechende Aufgaben zu ergreifen sind“.
Hier stocke ich schon: Von einer Weltgesellschaft war 1923 nicht die Rede, sie war zwar eine, aber ohne die Betonung mit der man heute - dem Zeitgeist entsprechend - die Aufgaben der Anthroposophie verallgemeinert.
Die Gruppen können nicht autonom ihre eigene Verfassung bestimmen, sondern nur mit einer Einschränkung: „Die Statuten der Gruppen sollen den Statuten der Anthroposophischen Gesellschaft nicht widersprechen“.
Das seelische Leben soll gepflegt werden, aber „auf der Grundlage einer wahren Erkenntnis der geistigen Welt“. Des weiteren sollen am Goetheanum entsprechende Aufgaben ergriffen werden. Welches diese Aufgaben sind, wird nicht näher ausgeführt. Im Gegensatz zu Rudolf Steiner, der bei der Weihnachtstagung im Bezug auf die Aufgaben sehr konkret wurde.
Nun behauptet Paul Mackay, dass Rudolf Steiner „das, was bis dahin als Tätigkeiten gewachsen war, in diese Anthroposophische Gesellschaft integrieren wollte“.
So wollte Rudolf Steiner angeblich schon 1924 den Johannesbauverein in die Anthroposophische Gesellschaft eingliedern. Hier wieder eine Unwahrheit: Es wird Rudolf Steiner etwas unterschoben, was er nachweisbar niemals wollte.
Nun geht es aber nicht mehr um die Sache allein, sondern um das Verhältnis zur Wahrheit. Nach dem Brief des Vorstandes vom 2. März 2003 im Nachrichtenblatt schickte ich am 3. März 2003 eine Stellungnahme an die Redaktion, in der auf die Unwahrheit hingewiesen wurde, “Rudolf Stei-ner habe beabsichtigt, die Weihnachtstagungsgesellschaft in das Handelsregister einzutragen“. Der Brief wurde lange Zeit nicht zur Kenntnis genommen. Die Redaktion antwortete erst mit Datum vom 8. Mai, nachdem mein Schreiben (in Beantwortung des Vorstandsbriefes) ins Internet gestellt wurde. Voller Mitleid las ich von der Überarbeitung der Redaktion. Abgesehen von diesem Bericht gab es einige schwammige Redensarten. Zu der Sache selbst und zu dem Vorwurf, dass die Unwahrheit vom Vorstand im Bezug auf Rudolf Steiner behauptet wurde, erfolgte keine Stellungnahme.
Am 18. Mai erschien unverändert der Bericht des Vorstandes von der Generalversammlung wieder mit den falschen Behauptungen. Die Wahrheit scheint nicht zu interessieren. Es geht um die Macht.  
In dem Brief vom 8. Mai teilt die Redaktion mit, dass sie vorhat: „Nun erst einmal die weitere Entwicklung abzuwarten... statt persönliche Meinungen und Sichtweisen abzudrucken“. Das ist schon starker Tobak: Wir belegen unsere Auffassung zur Konstitution seit unserem Memorandum 1986; kein Vorstand ging auf diese Fragen bisher ein. Nun schreibt Redakteur Jüngel von „persönlichen Meinungen und Sichtweisen“. Ich frage mich, so nebenbei, wie man eigentlich mit langjährigen Mitgliedern umgeht. Ich selbst bin seit 1951 Mitglied und habe einige Funktionen in der Gesellschaft ausgeübt. Am lächerlichsten ist die Behauptung, dass ja im Nachrichtenblatt im Vorfelde der Weihnachtsversammlung 2002 eine Auseinandersetzung von Für und Wider der einen oder andern Sichtweise abgedruckt wurde. Abgesehen von der bewundernswerten Fähigkeit des Redakteurs, die Probleme zu verwischen: wie „Für und Wider der einen oder anderen Sichtweise“, ist dem Redakteur entgangen, dass die Klage erst nach der Weihnachtsversammlung 2002 eingereicht wurde. Der Vorstand hat dazu als beklagte Partei zweimal die Möglichkeit einer Stellungnahme erhalten, ging überhaupt nicht auf unsere Darstellungen ein. Die Kläger, die namentlich im Nachrichtenblatt genannt wurden, erhielten keine Möglichkeit einer Erklärung zu den Rudolf Steiner betreffenden falschen Behauptungen.
„Der Wille bleibt unberührt, allein der Zeitplan ändert sich“. (Durch die einstweilige Verfügung)
Mit wem haben wir es zu tun?

* * *
Antwort der Redaktion des „Goetheanum“

Sehr geehrter Herr Buchleitner
Sie haben uns bereits per 3. März eine Stellungnahme zum Brief des Vorstandes in <Anthroposophie weltweit> zugesandt. Leider blieb eine Antwort an Sie - sowohl auf diese Zusendung als auch auf Ihre Nachfrage vom 31. März - bei uns liegen. Die laufende Heftproduktion, verbunden mit den entsprechenden Vorbereitungen die von Paul Mackay auf der Generalversammlung angekündigte Neugestaltung vom <Goetheanum> läßt leider für die Korrespondenz zuweilen zu wenig Raum. Ich bitte Sie für diese Verzögerung um Entschuldigung.
Ein Abdruck Ihrer Stellungnahme ist jedoch auch nicht geplant. In seinem Text beschreibt der Vorstand den Status quo und nennt die Kläger. Würden wir nun Ihrer Stellungnahme Raum geben, müßten wir aus Fairnessgründen auch anderen Klägern diese Möglichkeit geben. Auch haben die Kläger durch ihre Klage eine gerichtliche Klärung gewünscht, so dass es zurzeit eigentlich nichts zu diskutieren gibt, da nun erst einmal das Gerichtsurteil abzuwarten ist.
Als Redaktion haben wir besprochen, nun erst einmal die weitere Entwicklung abzuwarten, wie sie durch die Klagen entstanden sind und wie sie sich durch das Urteil des Richters bzw. weitere Handlungen des Vorstandes ergeben statt persönliche Meinungen und Sichtweisen abzudrucken. Dem Für und Wider der einen oder anderen Sichtweise wurde ja auch schon insbesondere in der Auseinandersetzung im Forum des Nachrichtenblattes im Vorfeld der Weihnachtsversammlung 2002 ausführlich Raum gegeben. Auch gab es verschiedene Beiträge zur Konstitutionsfrage.
Vorerst möchten wir nun die konkrete und auf die Zukunft gerichtete Arbeit der Anthroposophischen Gesellschaft fokussieren - natürlich ohne die aktuelle Entwicklung aus den Augen zu verlieren -, um die Aufgabenstellungen der Anthroposophischen Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Jüngel
Redaktion
8. Mai 2003

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Gemeinsame Presseerklärung der „Anthroposophischen Gesellschaft, Christian Rosenkreutz-Zweig, Hamburg e.V.“ und der „Freien Anthroposophischen Vereinigung - Arbeitskreis Zeitfragen“, Pforzheim zur Klage gegen:
1. die am 6. Januar 2003 ins Handelsregister des Kanton Solothurn neueingetragene „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)“,
2. den Vorstand der Erstbeklagten

betreffend die Anfechtung der Beschlüsse vom 28./29. Dezember 2002 unter Feststellung, dass die Erstbeklagte als Verein nicht mehr existiert, und Begehren um Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Zweitbeklagten, keinerlei Rechtsgeschäfte bis zum Abschluss des Hauptverfahrens im Namen der Erstbeklagten auszuführen.

Die Initiative zu der durch den Schweizer Rechtsanwalt Dr. Helmuth Strub vertretenen Klage ging von der „Anthroposophischen Gesellschaft, Christian Rosenkreutz-Zweig, Hamburg e.V.“ aus. Sie beruht massgeblich  auf der Geschichte und dem Hintergrund dieses Zweiges. - Der Christian Rosenkreutz-Zweig wurde 1911 begründet und am 17. Juni 1912 in Hamburg durch Rudolf Steiner in Anwesenheit von Marie von Sivers - der späteren Marie Steiner - und weiteren auswärtigen Gästen feierlich eingeweiht. - Mitglieder und Freunde des Zweiges hatten in den 60ger Jahren unter dem damaligen Leiter Lothar-Arno Wilke begonnen, die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft aufzuarbeiten und insbesondere auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass die „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ seit 1925 Rechtsnachfolgerin des Goetheanum-Bauvereins ist. Sie wiesen ausdrücklich darauf hin, dass die der Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft 1923 zugrunde liegenden Intentionen Rudolf Steiners nicht verwirklicht worden waren. Daraufhin wurden sowohl die betreffenden Mitglieder und Freunde, wie auch der Zweig als ganzer aus der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ ausgeschlossen. - Der Christian Rosenkreutz-Zweig sieht sich, laut seinen Statuten, als eine verwaiste autonome Gruppe der zu Weihnachten 1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft an.
Aufgrund der rechtlichen Möglichkeiten konnten nur diejenigen Mitglieder des Christian Rosenkreutz-Zweiges die Klage führen, die gleichzeitig Mitglieder in der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ sind.
Der Klage haben sich weitere Mitglieder der „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ angeschlossen, insbesondere eine Mitgliedergruppe der „Freien Anthroposophischen Vereinigung -Arbeitskreis Zeitfragen“, Pforzheim. Eine Zusammenarbeit zwischen der letztgenannten und der „Anthroposophischen Gesellschaft, Christian Rosenkreutz-Zweig, Hamburg e.V.“ hatte sich schon im Vorfeld ergeben.
Die „Freie Anthroposophische Vereinigung“ ist entstanden aus dem Arbeitskreis Zeitfragen des Pforzheimer Zweiges der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“. Um die Unabhängigkeit zu bewahren, wurde diese Vereinigung im Jahre 1981 als selbständiger Verein gegründet. Er beschäftigt sich vor allem mit den Gegenwartsfragen und den Hintergründen der weltpolitischen Auseinandersetzung vom Gesichtspunkt der Anthroposophie. Im Zentrum seiner Arbeit stand die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung, vor allem mit den dramatischen Ereignissen 1925, gipfelnd in der Zerstörung der Weihnachtstagung am 8. Februar. Ein Memorandum dazu wurde im Jahr 1986 erarbeitet. Es wurde dem Vorstand in Dornach zugesandt, der ein Gespräch darüber schriftlich ablehnte.
Bis zum Jahr 2000 war die offiziell vertretene Meinung die, dass es sich bei der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ um die Gesellschaft der Weihnachtstagung handele. Erst seit etwa zwei Jahren wird von offizieller Seite zugegeben, dass die Mitglieder Mitglieder des umbenannten Bauvereins sind. Um dieses Problem zu umgehen, wird von seiten des Vorstandes eine Fusion der beiden Gesellschaften, der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ mit der angeblich „reaktivierten“ Anthroposophischen Gesellschaft der Weihnachtstagung, wie sie am 6. Januar 2003 unter dem Namen „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ neu ins Handelsregister des Kanton Solothurn eingetragen wurde, angestrebt. Damit soll die Tatsache verdeckt werden, dass die Weihnachten 1923 neubegründete Anthroposophische Gesellschaft  wie im Gutachten Riemer auch festgestellt wird nicht mehr existiert. Rudolf Steiner hatte schon direkt nach der Weihnachtstagung 1923/24 darauf hingewiesen, dass die ihr zugrunde liegenden Intentionen, wenn sie nicht ergriffen werden, sich verflüchtigen, „verduften“.
Die angestrebte Fusion wurde per einstweiliger Verfügung am 7. Februar 2003 vom Amtsgericht Dorneck/Thierstein, wie von den Klägern beantragt, vorerst untersagt.
Die Einreichung der Klage war nur das letzte Mittel, um immensen Schaden von der durch Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie abzuwenden. Zuvor war eine Vielzahl von Versuchen unternommen worden, den Vorstand davon zu überzeugen, die zugrunde liegenden Rechts- und Erkenntnisfragen vor Aufnahme weiterer Handlungsschritte zu klären. Die Klage beruht auf der uneingeschränkten Überzeugung, dass die Weihnachtstagung von 1923/24 gescheitert ist, und die damals neu begründete Anthroposophische Gesellschaft mit ihren von allen Anwesenden verabschiedeten Statuten aufgrund der Tatsache, dass die Mitglieder sich seit 1925 nicht mehr um sie gekümmert haben, untergegangen ist. Diese hat, weil sie nicht verwirklicht wurde, als Vermächtnis Rudolf Steiners zu gelten, was nicht angetastet werden darf. Die Verbundenheit mit diesem Vermächtnis ist der tiefere Grund  für die Anstrengung der Klage. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass die Kläger nicht die Bildung einer solchen freien anthroposophischen Gesellschaft verhindern wollen, wie sie durch Rudolf Steiner im Laufe des Jahres 1923 angeregt worden war, im Gegenteil würden sie gerade ein solches Vorgehen unterstützen. Sie wenden sich aber entschieden gegen die Verfälschung bzw. Umschreibung der Geschichte, wie sie der Vorstand durch die angebliche „Reaktivierung“ der 1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft und gleichzeitige Änderung von deren Statuten versucht, um einen Alleinvertretungsanspruch für die Anthroposophie Rudolf Steiners durch die Errichtung einer historischen Sukzession zu begründen. - Das Werk Rudolf Steiners als solches ist weitgehend veröffentlicht. Dadurch steht es jedermann frei, mit den Inhalten zu arbeiten, wie er es für richtig hält. Eine Gesellschaft, welche die Anthroposophie in der Öffentlichkeit vertritt, kann dies nach unserer Auffassung am besten dadurch tun, dass sie den wissenschaftlichen Charakter und die Nachprüfbarkeit von Rudolf Steiners Forschungsergebnissen ihrer Arbeit zugrundelegt. Sektiererische Alleinvertretungs- und Sukzessionsansprüche halten wir
deshalb nicht für vertretbar.
Nähere Informationen finden sich auf den Internet-Seiten:
http://www.akzeitfragen.de
http://www.christian-rosenkreutz-zweig.de
http://www.anthroposophische-gesellschaft.de


Hamburg, Pforzheim, den 21. Februar 2003

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Dr. Gerhard von Beckerath
Am Gaisbügel 20
D -75180 Pforzheim


An den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft
Goetheanum
Postfach

CH- 4143 Dornach
22. Januar 2003

Betr.: Meine Mitgliedschaft in der Anthroposophischen Gesellschaft, wie sie sich am 28. und 29. Dezember 2002 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Goetheanum präsentiert hat. Ferner meine Mitgliedschaft in der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft.

Sehr geehrter Vorstand,
das mir mögliche Verständnis einer Gestalt für die Anthroposophische Gesellschaft ist Ihnen durch die kurz vor einem Durchbruch stehende (dann aber plötzlich durch die Vorstandsentscheidung vom 23.3.02 bei Seite geschobene) Arbeit in der Konstitutionsgruppe bekannt. Vielleicht haben Sie auch meine Beiträge in den Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland Weihnachten 2001 und Ostern 2002 gelesen, ferner die beiden Beiträge im Sonderheft der Mitteilungen vom Herbst 2002; die zehn Anträge, die ich zusammen mit Günter Röschert, Ernst Martin Kraus und Bärbel von Pokrzywnicki zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28./29. Dezember 2002 gestellt habe, sind Ihnen ja auch bekannt. So dürfte klar sein, dass ich in ei-ner sich „anthroposophisch“ nennenden Gesellschaft, wie sie sich am 28./29. Dezember präsentiert hat, kein Mitglied sein kann. Das gilt sowohl für die dort legitimierte Statutengestalt als auch für die schließlich dahin führenden sozialen Prozesse.
Inwieweit konnten denn z.B. - wie es in der Präambel der Statuten der neuen Gesellschaft heißt- „seine (Rudolf Steiners) Mitarbeiter“ „Leitungsaufgaben innerhalb der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft“ in der Zerrissenheit des „esoterischen Vorstands“ überhaupt „aufgreifen“? Wenn Sie die beiden für die esoterischen Aufgaben (mit Leitung der ersten und zweiten Klasse) in erster Linie vorgesehenen Mitarbeiter/Vorstandsmitglieder meinen, so sind sie nach langen Auseinandersetzungen ausgeschlossen (Ita Wegman) bzw. verabseitigt (Marie Steiner) worden. Damit sind sie auch als Sektionsleiter ausgeschaltet worden, zusammen mit dem ausgeschlossenen Vorstandsmitglied Elisabeth Vreede (sie leitete eine weitere Sektion). Marie Steiner begann das Werk Rudolf Steiners herauszugeben, Ludwig Polzer-Hoditz (wollte nicht in den Vorstand) las die Klasse; beiden versuchte man diese Aufgaben zu nehmen - vom zerstörten „esoterischen“ 5-köpfigen Restvorstand blieben zwei Mitglieder, zugleich Sektionsleiter der Hochschule, noch amtierend. (Von ihnen sah es Albert Steffen als erster Vorsitzender lange Zeit überhaupt nicht als seine Aufgabe an, die Hochschulleitung zu übernehmen.) Wo zarte Keime des Beginnes einer Arbeit in der Hochschule sich regten, paralysierte man sich gegenseitig. - In den neuen Statuten werden die katastrophalen Vorgänge in fast 80 Jahren Gesellschafts- und Hochschulgeschichte nach Rudolf Steiner negiert/übersprungen; es wird eine gar nicht vorhandene Kontinuität vorgetäuscht.
Negiert wird in ihnen auch, was Rudolf Steiner das „Hypothetische“ eines Fortbestehens der Ereignisse der Weihnachtstagung 1923 nannte; ferner die abzulesende schwerwiegende Bedeutung
des Nicht-Ernennens eines „eventuellen Nachfolgers“; oder die Tatsache, dass er im damals durch ihn erreichten Gesellschaftszustand der „Einheit von geistiger Bewegung und Gesellschaft (Ausnahmezustand) die Sektionen der Hochschule selber leitete „ durch“ den jeweiligen Sektionsleiter; negiert wird auch der Unterschied zwischen der „Forschung auf geistigem Gebiet“ von Seiten Rudolf Steiners und von Forschung - soweit sie in der Hochschule stattfand  - nach ihm; negiert wird auch, dass es eine Fiktion ist, einfach davon auszugehen, das Vorlesen der Klassenstunden oder deren Erläuterung sei eine Fortsetzung der ursprünglichen Klassenstunden Rudolf Steiners... Übersprungen wird also auch die existenz-notwendige Klärung dessen, was damals für neun Monate Gesellschaft und Hochschule waren, und dessen, was sie heute (wahrheitsgemäß) sein können - mit ihren Möglichkeiten und Grenzen. Stattdessen wird in den neuen Statuten nicht nur die Kontinuität, sondern für Vorstand und Hochschulleitung im Ganzen eine einfache Sukzession Rudolf Steiners beansprucht.
Sie wissen, dass aus meiner Sicht jetzt eine selbsterkenntnis- und erneuerungsfeindliche Anmaßungsgesellschaft - mit dem entsprechenden Selbstverständnis - dazu noch mit mißbräuchlichen autoritären Zusätzen, festgeschrieben ist. Es wird für Sie daher keine Überraschung sein, dass ich aus dieser Anthroposophischen Gesellschaft hiermit austrete.
Die Notwendigkeit dieser Mitteilung zu diesem Zeitpunkt ergibt sich daraus, dass ich mich am 28.12.2002 - um wenigstens die Chance zur Begründung des Wesentlichen unserer Anträge nicht schon vorzeitig zu verlieren - in dem von Ihnen eingerichteten Vorgehen genötigt sah, die dabei plötzlich und unvorbereitet verlangte Bekenntniserklärung zu dieser Gesellschaft abzugeben. Ich hatte Ihnen daher bei der Vorladung der Steller der Nichteintritts-Anträge im Nordatelier am 28.12. schon angekündigt, dass ich aus dieser Gesellschaft sofort wieder austreten werde.
Ich gehöre ja zu denjenigen Erforschern der Konstitutionsfrage unserer Gesellschaft, die in den früheren 80er Jahren kurioserweise wegen ihrer Auffassung des Nebeneinanderbestehens von Weihnachtstagungsgesellschaft und Bauverein zur Zeit Rudolf Steiners öffentlich als Gegner bezeichnet wurden - u. a. auch deswegen, weil wir mit anderen Menschen zusammenarbeiteten, die wegen dieser Auffassung vorher ausgeschlossen worden waren. (In der Konstitutionsgruppe haben Sie sich zwar mit dem Mannheimer Ergebnis dieser Erkenntnis im März 2001 angeschlossen, aber vor einem Jahr mit den beiden Juristen darüber hinaus plötzlich postuliert, dass die vom Vorstand immer abgelehnte und attackierte zweite Gesellschaft trotzdem ununterbrochen seit Rudolf Steiners Tod bis heute bestanden habe, indem der Vorstand für sie eine „Geschäftsführung ohne Auftrag“ angeblich vorgenommen habe.)
Vorsorglich lehne ich eine kollektive Übertragung meiner Mitgliedschaft von dem z. Zt. noch bestehenden Verein Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft auf die Anthroposophische Gesellschaft gemäß Versammlung vom 28./29.12.02 durch Mehrheitsbeschluß einer Mitgliederversammlung entschieden ab. Wenn Sie Ihr Verfahrensziel der Einheitsgesellschaft trotz Mannheimer Ergebnis (s. o.) juristisch durchsetzen wollen, zwingen Sie mich, meinen Austritt (s. o. Abs. 4) ein zweites Mal zu erklären.
Der Gestaltungswille von Vorstand/Hochschulleitung gem. Ergebnis vom 28. /29. Dez. 2002 gilt schon jetzt für die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Aus der vermeintlich dreiklassigen (usw.) Hochschule, wie sie sich dort jetzt präsentiert hat, trete ich wegen dem in den entsprechenden Statutenfassungen liegenden anmaßenden Selbstverständnis (s. o. Abs. 2 u. 3) notwendigerweise ebenfalls aus. Meine blaue Mitgliedskarte schicke ich Ihnen in der Anlage zurück.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Gerhard von Beckerath


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Zur aktuellen Situation der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach (Schweiz)
Chronologie der Ereignisse

“Furchtbare Zeiten aber stehen der Menschheit in Europa bevor. Wir wissen, daß, wenn das erste Drittel dieses Jahrhunderts vorbei ist, der CHristus geschaut werden wird in seiner Äthergestalt und daß dies einen gewaltigen Impuls abgeben wird neben all den untergehenden Neigungen dieses Jahrhunderts. In den älteren Zeiten, wie zum Beispiel beim Jahr 1000, mußten die Menschen wohl glauben, was Luzifer und Ahriman ihnen weismachten, weil sie den wahren, bewußten CHristus-Impuls noch nicht in sich hatten. Wir aber müssen nicht mehr, wir sollen freiwillig diesen neuen CHristus-Impuls aufnehmen, damit wir Luzifer und Ahriman Widerstand leisten können. Es wird so sein im 20. Jahrhundert, daß Luzifer und Ahriman sich insbesondere bemächtigen werden des Namens des CHristus. Menschen werden sich Christen nennen, die von dem wahren Christentum keine Spur mehr in sich haben werden; und sie werden wüten gegen diejenigen, die sich nicht nur allein halten an das, was der CHristus einmal nach der Überlieferung der Evangelien gesagt hat, sondern für welche gilt das Wort: Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Erdenzeiten, die sich richten werden nach dem lebendigen, fortwirkenden CHristus-Impuls. Gegen diese wird man wüten. Verwirrung und Verwüstung wird herrschen, wenn das Jahr 2000 herannaht. Und dann wird auch von unserem Dornacher Bau kein Holzstück mehr auf dem anderen liegen. Alles wird zerstört und verwüstet werden. Darauf werden wir von der geistigen Welt aus herabschauen.“             (Rudolf Steiner: Vortrag, Stuttgart, 7. März 1914)        
Meldungen und Unterlagen, Dokumente zu Aktivitäten des Christian Rosenkreutz-Zweiges, sowie einiger Mitglieder, die ebenfalls Mitglieder im Verein „Allgemeine
Anthroposophische Gesellschaft“ sind.

[Aufgrund der am 6. Januar 2003 erfolgten öffentlichen handelsregisterlichen Eintragung der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ - mit behauptetem Gründungsdatum 28.12.1923 -, einer Reihe von Zeitungsartikeln, sowie vier beim Amtsgericht Dorneck-Thierstein eingereichten Anfechtungsklagen gegen die so genannte Außerordentliche Mitgliederversammlung vom 28./29.12.2002 besteht die Notwendigkeit, auch die Hintergründe dieser öffentlichen Ereignisse zugänglich zu machen, um eine Urteilsbildung zu ermöglichen.]

8. Juni 2003
In der Wochenschrift „Das Goetheanum“ Nr. 23/24 erscheint ein Bericht unter dem Titel: „Konstitutionsfrage: Einstweilige Verfügung aufgehoben“.
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 23/24 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint eine Notiz mit dem Titel: „Einstweilige Verfügung aufgehoben“.

5. Juni 2003
In der Berner Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel: “Obergericht hebt Verfügung auf“.

3. Juni 2003
In der Mittelland Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel: „Obergericht hebt Verfügung auf“.


31. Mai 2003
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel: „Vorstand punktet im Anthroposophenstreit“.
Die Nachrichtenagentur NNA „News Network Anthroposophy“ veröffentlicht einen Bericht in deutsch und in englisch über die Aufhebung der einstweiligen Verfügungen gegen die „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ und deren Vorstand.

28. Mai 2003
Vom Obergericht des Kanton Solothurn wird eine Medienmitteilung betreffend die Urteile vom 22. Mai 2003 herausgegeben.

22. Mai 2003
Das Obergericht des Kanton Solothurn verfügt die Aufhebung der einstweiligen Verfügungen des Richteramtes Dornach-Thierstein vom 6. Februar 2003 (siehe unten) mit Urteil 1 und vom 7. Februar 2003 (siehe unten) mit Urteil 2 aufgrund des Rekurses von Prof. Dr. Furrer und u. a. einer
Stellungnahme von Dr. Strub zu dieser (siehe unten 21. Februar, 18. März, 17. April 2003).

18. Mai 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 20 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheinen die Beiträge der Vorstandsmitglieder: Bodo von Plato, Virginia Sease, Sergej Prokofieff und Paul Mackay zum “Rechenschaftsbericht des Vorstandes“ der Generalversammlung 2003 des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“.

11. Mai 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 19 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein Bericht vom 11. April 2003 über die Vorversammlung zur Generalversammlung 2003 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“, wie das Protokoll vom 12. April 2003 über die „Ordentliche Generalversammlung 2003 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft mit Sitz am Goetheanum, Dornach, Schweiz“.

10./11. Mai 2003
In Pforzheim findet unter Beteiligung einiger Mitglieder des Christian Rosenkreutz-Zweiges eine Tagung der „Freien Anthroposophischen Vereinigung - Arbeitskreis Zeitfragen“ zum Thema „Zur geplanten Rekonstituierung der Weihnachtstagung. Teil 2 - Wahrheitswille und Wahrheitsstreben“ statt.

8. Mai 2003
Sebastian Jüngel (Redaktionskürzel: SJ), leitender Redakteur der Wochenschrift „Das Goetheanum“, antwortet Dr. Karl Buchleitner von der  „Freien Anthroposophischen Vereinigung - Arbeitskreis Zeitfragen“ auf die Aufforderung nach Veröffentlichung von dessen Stellungnahme zu den Verlautbarungen des Vorstandes im Nachrichtenblatt 9/2003 (siehe unten: 10. April 2003) mit einer e-mail, dass eine solche Veröffentlichung abgelehnt wird.

4. Mai 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 18 („Anthroposophie weltweit“ Nr. 4) der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein zusammenfassender Bericht über die diesjährige Generalversammlung des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ unter dem Titel: „Nüchtern - Zur Vorversammlung, Generalversammlung und Jahrestagung“.

20. April 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 16/17 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein zusammenfassender Orientierungsbericht über die diesjährige Generalversammlung des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ unter dem Titel: „Innegehalten - Eine ruhige Generalversammlung - merkwürdig zeitenthoben“..

17. April 2003
Von RA Dr. Strub wird die Stellungnahme zur Rekursbegründung von Prof. Dr. Furrer  (siehe unten 18. März 2003) an das Obergericht des Kanton Solothurn versandt.

15. April 2003
In der Solothurner Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel: „Noch kein Ausweg aus dem Patt“.

14. April 2003
In der Basler Zeitung erscheint unter der Rubrik „Der Forum-Gast“ ein Artikel von Bodo von Plato mit dem Titel „Ein golbales Netzwerk von Menschen mit kulturellen Anliegen“.

13. April 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 15 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein für den Vorstand von Paul Mackay unterzeichneter Brief an die Mitglieder unter dem Titel: „Zu den Rechtsverfahren im Konstitutionsprozeß“.

12. April 2003
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Streit am Goetheanum geht weiter“.
In der Aargauer Zeitung erscheinen zwei Artikel - der erste auf der Titelseite - mit den Titeln: „Streit kommt vor Gericht“, „Hinter den Mauern gärt es weiter“.
Die Generalversammlung des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ findet in Dornach statt. Das Vorstandsmitglied Sergej Prokofieff kündigt versehentlich die Abstimmung über die „Entlassung“ des Vorstandes an, korrigiert sich aber anschließend dahingehend, dass über die „Entlastung“ abgestimmt wird. Fast ein Viertel der anwesenden Mitglieder stimmt gegen die Entlastung des Vorstandes.
Paul Mackay liest den Mitgliedern - nach Aufforderung - aus einem Vortrag Rudolf Steiners vor, dass aus den Statuten der am 28. Dezember 1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft „ alles Verwaltungsmäßige ... heraußen“ ist. Es werden jedoch keine Konsequenzen aus dem deutlichen Irrtum des Vorstands vom Vortag gezogen.
Vor der Abstimmung über die Mitgliederanträge wird ein Geschäftsordnungsantrag auf Auszählung auch der Stimmenthaltungen von Paul Mackay abgewiesen.
Sämtliche Mitgliederanträge [abgedruckt in dem 47-seitigen Versammlungsheft] werden mit Stimmenmehrheit, aber mit einer erheblichen Zahl von Stimmenthaltungen, abgelehnt.

11. April 2003
Die Mitgliederveranstaltungen des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“, anläßlich der Generalversammlung dieses Vereins, in Dornach beginnen. Den Mitgliedern wird ein 47-seitiges Versammlungsheft zur Verfügung gestellt, in dem der Programmablauf, Vorstandsbeiträge, sowie die gestellten Anträge abgedruckt sind. Bei der Vorversammlung im Grundsteinsaal des Goetheanum bestreitet der Vorstand, insbesondere Paul Mackay und Bodo von Plato, wiederholt und ausdrücklich die Authentizität einer von Mitgliederseite vorgebrachten Aussage Rudolf Steiners, aus den Statuten der am 28. Dezember 1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft sei „ alles Verwaltungsmäßige ... heraußen“. Dagegen wird behauptet, die Aussage beinhalte lediglich, dass „alles Vereinsmäßige .. heraußen“ sei. Auf diese Annahme gründet sich nämlich die Auffassung des Vorstandes, dass Rudolf Steiner in der am 28. Dezember 1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft „die geistigen und gesellschaftlichen Aktivitäten der anthroposophischen Bewegung mit den übrigen administrativen Tätigkeiten in einem Verein vereinigen“ wollte, wie Prof. Dr. Furrer das in seinem Rekurs gegenüber dem Obergericht vorbringt.

10. April 2003
Dr. Karl Buchleitner von der „Freien Anthroposophischen Vereinigung - Arbeitskreis Zeitfragen“ mahnt in einem offenen Brief die Veröffentlichung seiner Stellungnahme zu den Verlautbarungen des Vorstandes im Nachrichtenblatt 9/2003 an.

6. April 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 14 („Anthroposophie weltweit“ Nr. 3) der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein Artikel von Bodo von Plato unter dem Titel „Formales als Zwangsmittel“, in dessen Übertext die folgenden Sätze zu finden sind: “Den Mitgliedern des Hochschulkollegiums fiel die Tendenz auf, wie ein Anliegen nicht direkt, sondern über Umwege erreicht zu werden versucht wird. Um die eigene Position durchzusetzen, werden zudem selbst Rechtsvorschriften herangezogen, sei es in der Legislative oder im Anrufen von Gerichten“.
Unter diesem Artikel ist die Ankündigung „Anträge zur Generalversammlung 2003“ zu finden.

4. April 2003
Das Obergericht des Kanton Solothurn verfügt, dass der beantragten Fristverlängerung der Kläger und Rekursgegner zur Stellungnahme auf die Rekursbegründung von Prof. Dr. Furrer bis zum 22. April 2003 stattgegeben wird.

18. März 2003
Das Obergericht des Kanton Solothurn verfügt, dass ein Doppel der ausführlichen Rekursbegründung von Prof. Dr. Furrer an die Kläger und Rekursgegner geht mit der Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 1. April 2003.

16. März 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 11 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheinen „Anträge zur Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft vom 12. April 2003 und eine „Stellungnahme des Vorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zu den vorstehenden Anträgen.

11. März 2003
In der Basler Zeitung erscheinen zwei Artikel mit den Titeln „Goetheanum: Es wird weiter gestritten“ und „Unterschiedliche Interpretation“.


7. März 2003
In einem Brief an den Vorstand des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ charakterisiert Andreas Wilke das Verhalten des Vorstandes insbesondere seit Erlaß der einstweiligen Verfügungen durch das Amtsgericht Dorneck-Thierstein und gibt zur Veröffentlichung im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ der Wochenschrift „Das Goetheanum“ eine zusammenfassende Kurzdarstellung der durch den Vorstand bisher verschleierten Sachverhalte.

2. März 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 9 („Anthroposophie weltweit“ Nr. 2) der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint „Das weitere Vorgehen im
Konstitutionsprozeß - Ein Brief des Vorstandes an die Mitglieder“ - unterzeichnet von Paul Mackay und Bodo von Plato.

25. Februar 2003
In der Basler Zeitung erscheinen zwei Artikel mit den Titeln:„Kampf der Freiheitlichen“ und „Eine juristische Akrobatik“.

23. Februar 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 8 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein von Paul Mackay und Bodo von Plato unterzeichnetes Schreiben an die Mitglieder, in dem der Erlaß der einstweiligen Verfügungen, sowie der Einspruch des Vorstandes gegen diese, geschildert wird. Darüber hinaus erscheint die „Einladung zur ordentlichen Generalversammlung 2003 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am 12. April 2003, 9 bis 18.30 Uhr, am Goetheanum, Dornach“ und die „Einladung zu einer Jahrestagung 2003 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am 13. April 2003 am Goetheanum, Dornach“.

22. Februar 2003
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Goetheanum: Vorstand legt Rekurs ein“.

21. Februar 2003
Von der „Anthroposophischen Gesellschaft, Christian Rosenkreutz-Zweig, Hamburg e. V.“ und der „Freien Anthroposophischen Vereinigung - Arbeitskreis Zeitfragen“, Pforzheim wird eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben betreffend die von Rechtsanwalt Dr. Helmuth Strub (Olten) vertretene Klage gegen 1. die am 6. Januar 2003 ins Handelsregister des Kanton Solothurn neueingetragene „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)“  und 2. den Vorstand der Erstbeklagten.
Prof. Dr. Furrer legt Rekurs beim Obergericht des Kanton Solothurn im Namen der am 6. Januar 2003 ins Handelsregister neueingetragenen „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ gegen die einstweiligen Verfügungen vom 6. und 7. Februar 2003 (siehe unten) ein mit der Beantragung einer Fristverlängerung zur ausführlichen Rekursbegründung.
Die Nachrichtenagentur NNA „News Network Anthroposophy“  veröffentlicht einen Bericht in deutsch und in englisch unter dem Titel “Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung) legt Rekurs gegen einstweilige Verfügung ein“.
Von der Beauftragten für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Goetheanum wird eine Erklärung unter dem Titel „Vorstand legt Rekurs gegen einstweilige Verfügung ein“ herausgegeben.

20. Februar 2003
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Anthroposophen: Die zweite Verfügung“.

16. Februar 2003
In der Wochenschrift „Das Goetheanum“ Nr. 7 erscheint ein Bericht unter dem Titel „Nachlese I: Einsweiliger Verfügung gegen «Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)» stattgegeben“. Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 7 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein auf den 11. Februar 2003 datiertes Anschreiben des Vorstandes am Goetheanum an die Mitglieder, in dem dieser mitteilt, dass die für den 13. April 2003 vorgesehene ordentliche Jahresversammlung der am 6. Januar 2003 ins Handelsregister des Kanton Solothurn neueingetragenen „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ nicht stattfinden kann.

14. Februar 2003
Christiane Goepfert und Andreas Wilke stellen einen Antrag an die ordentliche Generalversammlung des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ am 12./13. April 2003 in Dornach, durch den die Bekundung der Absicht zur Schaffung einer lebensfähigen, freiheitlichen Gliederung der Anthroposophischen Gesellschaft, im Gegensatz zu der geplanten Fusion mit dem am 6. Januar 2003 neu eingetragenen zentralistischen Verein „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ von den dort versammelten Mitgliedern beschlossen werden soll. - Mittels eines an den Antrag angehängten Beitrittformulars können weitere Mitglieder dem Vorstand gegenüber erklären, dass sie dem Antrag beitreten.

13. Februar 2003
Die Nachrichtenagentur NNA „News Network Anthroposophy“ veröffentlicht einen Bericht in deutsch und in englisch über die einstweilige Verfügung gegen die „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ und deren Vorstand. - In diesem findet die Tatsache, dass die zu Weihnachten 1923 neubegründete Anthroposophische Gesellschaft ohne im Fehler! Hyperlink-Referenz ungültig. aufgegangen zu sein, untergegangen ist, wie sie von der durch Rechtsanwalt Dr. Helmuth Strub vertreten Klägergruppe dargestellt wird, keine Erwähnung.

12. Februar 2003
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Anthroposophen: Handlungsstopp verfügt“. Auf der Internet-Seite der Zeitschrift „Info3“ erscheint ein Artikel mit dem Titel „Weihnachtstagung vorläufig eingefroren“.

9. Februar 2003
In der Wochenschrift „Das Goetheanum“ Nr. 6 erscheint ein Bericht unter dem Titel „ Vier Klagen beim Richteramt in Dornach - Rechtsstreit um die Konstitution der «Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)»“.

8./9.Februar 2003
In Pforzheim findet unter Beteiligung einiger Mitglieder des Christian Rosenkreutz-Zweiges eine Tagung der „Freien Anthroposophischen Vereinigung - Arbeitskreis Zeitfragen“ zum Thema: „Zwischen amerikanischer Weltherrschaft und Dornacher Isolation: Auf der Suche nach einer zeitgemäßen Gestalt der Anthroposophie“ statt.

7. Februar 2003
Vom Richteramt Dorneck-Thiersteinwird auf Antrag einer durch Rechtsanwalt Dr. Helmuth Strub (Olten) vertretenen Klägergruppe eine einstweilige Vefügung gegen den Vorstand der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ erlassen, die ihm für die Dauer des Hauptverfahrens jede Tätigkeit als Organ derselben, wie Durchführung von Mitgliederversammlungen, Beschlußfassung über Fusionen, Erweiterungen des Vereins und/oder rechtsgeschäftliches Handeln untersagt.

6. Februar 2003
Vom Richteramt Dorneck-Thierstein  wird auf Antrag einer durch Rechtsanwalt Dr. Paul Thaler (Zürich) vertretenen Klägergruppe eine einstweilige Verfügung gegen die „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung) erlassen, die ihr für die Dauer des Hauptverfahrens untersagt, mit dem Verein „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“und anderen Dritten Rechtsgeschäfte abzuschließen.
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Goetheanum: Gezänk vor Gericht hat begonnen“.

4. Februar 2003
Am Richteramt Dorneck-Thierstein findet eine Verhandlung betreffend Feststellungsklage (Nichtbestehen der “Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)“), Anfechtung von Vereinsbeschlüssen bzw. Erlaß einer einstweiligen Verfügung statt.

2. Februar 2003
In einem Brief an den Vorstand der Allgemeinen Anthropsophischen Gesellschaft gehen Christiane Goepfert und Dr. Miriam Süsskind auf die Frage ein: „Was wurde mit der Regelung der Gastkarten bei der so genannten „Außerordentlichen Mitgliederversammlung“ am 28./29. Dezember 2002 erreicht?“.

31. Januar 2003
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel “Dornach: Vier Klagen“.

26. Januar 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 4 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint die Ankündigung der Mitgliederversammlung 2003 am Goetheanum, Dornach, bei denen die Auflösung des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ in die am 6. Januar 2003 ins Handelsregister neueingetragene (siehe unten) „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ hinein beschlossen werden soll.

24. Januar 2003
Im Untersuchungsrichteramt des Kantons Solothurn (Oensingen) geht eine Strafanzeige gegen den Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach wegen Nötigung, bezogen auf das Zugangsverfahren für die so genannte Außerordentliche Mitgliederversammlung am 28./29. Dezember 2002 ein.



19. Januar 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 3 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint das so genannte „Protokoll der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft vom 28. Und 29. Dezember 2002 in Dornach, welches offenbar dem Wortlaut des am 6. Januar 2003 beim Handelsregister des Kantons Solothurn abgegebenen offiziellen Beschlußprotokolls folgt.

16. Januar 2003
Die Einladung zur Ostertagung 2003 im „Goetheanum“ unter dem Titel „Verwandlung im Zeichen des Christian Rosenkreutz“ wird versandt. Dort wird angegeben, dass als „Abschluss der Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am Palmsonntag, 13. April 2003 ca. 18.00 Betrachtungen und Lesungen von Dr. Viriginia Sease und Künstlern der Goetheanum-Bühne zum Kapitel: „Der erste Tag“ aus: „Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz“ stattfinden werden. - Für die genannte Generalversammlung ist vom Vorstand die Auflösung des Vereins „Allgemeine Anthroposphische Gesellschaft“ in die am 6. Januar 2003 (siehe unten) neueingetragene „Allgemeine Anthropsoophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ hinein beabsichtigt.
Bemerkenswerterweise ist der letzte Absatz des Einführungstextes zu der Tagung eine offensichtliche Verfälschung einer Aussage Rudolf Steiners:
“Wir freuen uns besonders, dass gerade für diese Tagung jeder Tag durch eine grosse künstlerische Abendaufführung beendet werden kann, da die Kunst, wie sie neu durch Rudolf Steiner und Marie Steiner impulsiert wird 'unter dem Protektorat von Christian Rosenkreutz' selbst stehen vermag.“
In Wahrheit sollte „unter dem Protektorat von Christian Rosenkreutz“, laut Rudolf Steiners Bekanntgabe am 15. Dezember 1911 in Berlin, als Stiftung eine Arbeitsweise ins Leben treten, die den provisorischen Namen tragen sollte: „Gesellschaft für theosophische Art und Kunst“. - Von dieser sagte Rudolf Steiner am 21. August 1915, „dass die ‚Gesellschaft für theosophische Art und Kunst’ überhaupt nicht besteht. ... Die Art und Weise, wie die Sache aufgefaßt worden ist, machte sie unmöglich. Es war ein Versuch.“ - Diese Aussagen Rudolf Steiners finden sich vollständig in einem Artikel der Sonderaugabe Michaeli 2002“ der so genannten „Rosa Blätter“.

9. Januar 2003
Am Handelsregisteramt des Kantons Solothurn (Klus-Balsthal) wird das offizielle Beschlußprotokoll der so genannten Außerordentlichen Mitgliederversammlung vom zuständigen Beamten R. Studer herausgegeben.

6. Januar 2003
Unrechtmäßigerweise wird die am 21. Dezember 2002 vorbereitete Anmeldung zur handelregisterlichen Eintragung der „Anthroposophischen Gesellschaft“ mit Gründungsdatum 28.12.1923 unter dem Namen „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ mit den durch Dr. Max Flückinger beglaubigten Unterschriften des Vorstandes beim Handelsregister des Kantons Solothurn in Klus-Balsthal unter Beifügung des offiziellen Beschlußprotokolls der so genannten Außerordentlichen Mitgliederversammlung, des Protokolls der Vorstandsitzung vom 29. Dezember 2002 und den geänderten Statuten abgegeben.
Die Eintragung ins Handelsregister des Kantons Solothurn in Klus-Balsthal erfolgt noch am selben Tag und ist im Internet abrufbar.


5. Januar 2003
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 1/2 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint ein Bericht über die so genannte Außerordentliche Mitgliederversammlung vom 28./29. Dezember 2002 in Dornach mit dem Titel „Handlungsfähigkeit hergestellt: Vorstand gewählt und Statuten ergänzt“.

3. Januar 2003
In der Basler Zeitung erscheinen zwei Artikel mit den Titeln „Anthroposophen in einer schweren Stunde“ und „«Eine seltsame Geschichte» und ihre Folgen“.

2. Januar 2003
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Anthroposophen wollen Streit vor Gericht fortsetzen“.

29. Dezember 2002
Die so genannte Außerordentliche Mitgliederversammlung in Dornach wird fortgesetzt, dabei wird beschlossen, den Statuten einen Artikel zum Ausschluß von Mitgliedern ohne Angabe von Gründen - auf Beschluß des Vorstandes im Einvernehmen mit dem Hochschulkollegium - einzufügen.
Zwischen 13.00 und 13.20 findet unter Protokollführung von Dr. Max Flückinger eine Vorstandssitzung zur „Konstituierung des Vorstandes“ und zur „Handelsregisteranmeldung“ statt, auf der ausdrücklich festgestellt wird: „Aus der Handelsregisteranmeldung und der Publikation muss unbedingt das Datum der Gründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung), nämlich der 28. Dezember 1923, hervorgehen.“

28. Dezember 2002
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Goetheanum: Streit um Fusion“.
Die Mitgliederveranstaltungen des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ und die so genannte Außerordentliche Mitgliederversammlung in Dornach beginnen. - Vor deren Beginn wurden 1000 Exemplare eines „Rosa Faltblattes“ verteilt, welches ein Formular enthielt, mit dem die Mitglieder kundtun konnten, dass sie mit dem Betreten des Versammlungssaales keine zusätzliche Eintrittsbedingung anerkennen. Diese Möglichkeit wurde durch ein neues Zugangsverfahren (siehe unten) durch den Vorstand ausgehebelt. Zudem wurde der Ablauf der Veranstaltungen vom Vorstand vollkommen umgestellt. Der umgestellte Ablauf und die zur so genannten Außerordentlichen Mitgliederversammlung gestellten Anträge wurden den Mitgliedern vom Vorstand 5 Minuten vor Beginn der ersten Veranstaltung im Gedränge vor den Saaleingängen in Form eines 174 Seiten umfassenden, gehefteten DINA4-Buches zur Verfügung gestellt. Kein Antrag wurde vorher veröffentlicht.
In der ersten Veranstaltung nahmen sich die Vorstandsmitglieder 90 Minuten Zeit, um ihre Vorstellungen und Intentionen darzustellen. Auf die vor Beginn gestellte Bitte, die bestehenden Unklarheiten durch Mitgliederfragen zuerst zu klären wurde nicht eingegangen. Am Schluß dieser ersten Veranstaltung machte Paul Mackay die Mitglieder mit den neuen Zutrittsbedingungen zu der so genannten Außerordentlichen Mitgliederversammlung bekannt: es würden Teilnehmerkarten ausgegeben, die man mittels Vorweisen der „Rosa Mitgliedskarte“ und Unterschrift unter ein Anmeldeformular erhalten könne. - Die Bekanntgabe der neuen Zutrittsbedingungen führte dazu, dass einige Mitglieder in aller Deutlichkeit Einspruch erhoben und das Verfahren als „unrechtmäßig“ und als „Verhöhnung Rudolf Steiners“ bezeichneten. Ein weiteres Mitglied machte darauf
aufmerksam, dass die versammelten Mitglieder die Verantwortung für dieses Verfahren zu tragen hätten. Ein Mitglied schließlich verließ unter Abgabe seiner „Rosa Mitgliedskarte“ als sichtbarer Bekundung seines Austretens aus der Gesellschaft den Saal. - In der anschließenden Pause gelang es einer Anzahl von Mitgliedern durch Anbringung eines Zusatzes, sowohl auf dem Anmeldeformular, wie auch auf der Teilnehmerkarte unter Infragestellung des gegenwärtigen Bestehens der am 28.12.1923 begründeten Anthroposophischen Gesellschaft als selbständige Körperschaft, eine Teilnehmerkarte zur Ausübung ihres Antrags- und Stimmrechts zu erhalten. Mitgliedern, die dieses ähnlich später versuchten, wurde die Teilnehmerkarte verwehrt. Zwei Mitgliedern der „Anthroposophischen Gesellschaft, Christian Rosenkreutz-Zweig, Hamburg e.V.“, die gemäß Statuten eine autonome Gruppe der am 28.12.1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft ist, wurde eine Teilnehmerkarte (sogar eine Gastkarte) verwehrt.
In der zweiten Veranstaltung fand eine Aussprache statt, in der Mitglieder durch den Vorstand aufgefordert wurden: „Mensch, fasse dich kurz!“ und nach Anmeldung mittels eines Wortmeldeformulars, soweit die Gesamtzeit der Veranstaltung von 60 Minuten es zuließ, eine Redezeit von 3 Minuten - allerhöchstens 5 Minuten - erhielten. In einigen Redebeiträgen wurde in aller Deutlichkeit auf die Unrechtmäßigkeit der Außerordentlichen Mitgliederversammlung hingewiesen, und auf die Tatsache, dass die Behauptung des gegenwärtigen Bestehens der am 28.12.1923 begründeten Anthroposophischen Gesellschaft als selbständige Körperschaft rechtlich zweifelhaft ist. Dem Rechtsberater des Vorstandes Herrn Prof. Dr. Furrer wurde darauf das Wort erteilt. Er konnte aber diese Frage in keiner Weise klären, gab sogar im Gegenteil zu, dass diese Frage für ihn auch schwierig gewesen sei.
Als dritte Veranstaltung fand die so genannte Außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Vor Beginn hatte der Rechtsberater des Vorstandes Herr Prof. Dr. Furrer einigen Mitgliedern auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Feststellung der Beschlußfähigkeit der Versammlung nicht durch die versammelten Mitglieder erfolgen könne, sondern einfach durch den Vorstand erfolgen werde, und dass eine negative Feststellung nur durch gerichtliche Anfechtung erfolgen könne. - Durch Paul Mackay wurde anschließend die Versammlung eröffnet und deren Beschlußfähigkeit festgestellt. Daraufhin gab es Teilnehmer mit Stimm- und Antragsrecht, die in aller Deutlichkeit auf die Unrechtmäßigkeit dieser Feststellung verwiesen. Sie wurden nicht angehört. Eine mittels Formular angemeldete Wortmeldung zu diesem Punkt wurde nicht zugelassen. Mehr als 10 Teilnehmer mit einer Teilnehmerkarte, die ihr Stimm- und Antragsrecht feststellte, verließen daraufhin die Versammlung, um diese nicht durch ihre Anwesenheit zu legitimieren. Ein anschließender Geschäftsordnungsantrag zu diesem Punkt wurde ebenfalls nicht zugelassen. - Das offizielle Beschlußprotokoll wurde am 9. Januar 2003 herausgegeben (siehe oben).

27. Dezember 2002
In der Aargauer Zeitung erscheinen drei Artikel - der erste auf der Titelseite - mit den Titeln: „Spannung bei Anthroposophen“, „Weihnachtstagung bringt kein Tauwetter“, „Starb Steiner durch Giftanschlag?“.

24. Dezember 2002
Durch Rechtsanwalt Dr. Bernhard Gelzer aus Basel wird in Vertretung einiger Mitglieder des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ an den Vorstand am Goetheanum ein Brief versandt, in dem die Rechtmäßigkeit und die Beschlußfähigkeit der zum 28./29.12.2002 nach Dornach einberufenen Mitgliederversammlung in Frage gestellt wird.


23. Dezember 2002
Der Vorstand des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ antwortet auf den am 18. Dezember 2002 von Dr. Karl Buchleitner, Ursula Garncarz-Buchleitner, Christiane Goepfert, Martin Schaffer und Andreas Wilke gestellten Antrag an die für den 28./29.12.2002 nach Dornach einberufene Außerordentliche Mitgliederversammlung mit einem durch Paul Mackay verfaßten Brief, dass der Hauptteil des Antrages nicht angenommen wird und nur der Teil zur Bestellung einer Versammlungsleitung zur Abstimmung zugelassen wird. Der Brief wird durch die Antragsteller umgehend mit Bekanntgabe der Aufrechterhaltung des gesamten Antrages beantwortet.

21. Dezember 2002
Am Handelsregister des Kantons Solothurn in Klus-Balsthal wird die Anmeldung zur handelsregisterlichen Eintragung der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (Weihnachtstagung)“ für den 6. Januar 2003 vorbereitet.

20. Dezember 2002
Die „Freie Anthroposophische Vereinigung – Arbeitskreis Zeitfragen“, Pforzheim wendet sich in einem von Dr. Karl Buchleitner unterzeichneten Schreiben an alle Interessierten und verweist darin im Hinblick auf die zum 28./29.12.2002 einberufene Versammlung auf die Verantwortlichkeit jedes einzelnen dem Schicksal Rudolf Steiners gegenüber.

18. Dezember 2002
Dr. Karl Buchleitner, Ursula Garncarz-Buchleitner, Christiane Goepfert, Martin Schaffer und Andreas Wilke stellen einen Antrag an die für den 28./29.12.2002 nach Dornach einberufene so genannte „Außerordentliche Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft“ zur Klärung der Beschlußfähigkeit der Versammlung.
In einem weiteren Antwort-Brief (auf den Brief vom 3. Dezember 2002) an den Vorstand z. H. Paul Mackay wird speziell auf die Unterstellung, die Mitglieder wollten nicht in der am 28.12.1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft Mitglied sein, eingegangen.

12. Dezember 2002
In einem Antwort-Brief an den Vorstand z. H. Paul Mackay stellen die betreffenden Mitglieder die entstandene Situation dar.

3. Dezember 2002
Für den Vorstand des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ antwortet Paul Mackay auf den Brief einiger Mitglieder vom 13.11.2002. In diesem Brief wird den betreffenden Mitgliedern unterstellt, sie wollten nicht Mitglieder der am 28.12.1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft sein, und könnten infolgedessen zu der einberufenen Außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28./29.12.2002 in Dornach nicht zugelassen werden.

23./24. November 2002
In Pforzheim findet unter Beteiligung einiger Mitglieder des Christian Rosenkreutz-Zweiges eine Tagung der „Freien Anthroposophischen Vereinigung -Arbeitskreis Zeitfragen“ zum Thema „der geplanten ‚Rekonstituierung’ der AG der Weihnachtstagung am 28./29. Dezember 2002“ statt.

13. November 2002
Mitglieder des Christian Rosenkreutz-Zweiges, die ebenfalls Mitglieder im Verein „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ sind, legen in einem Brief an den Vorstand des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ gegen dessen Eintrittsbedingung zur zum 28./29.12.2002 nach Dornach einberufenen Außerordentlichen Mitgliederversammlung Widerspruch ein.

12. November 2002
In einem Offenen Brief an die Mitglieder und Gruppen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft stellt der Christian Rosenkreutz-Zweig die aktuelle Situation der Gesellschaft und das Vorgehen des Vorstandes dar.
8. November 2002
In der Basler Zeitung erscheint ein Artikel mit dem Titel „Anthroposophen stecken in einer Identitätskrise“.

3. November 2002
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 45, „Anthroposophie weltweit“ Nr. 9 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ werden die „Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft mit Sitz am Goetheanum, Dornach, Schweiz am 28. und 29. Dezember 2002 am Goetheanum“ und die „Beschlußvorlagen zur Tagesordnung der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft am 28. und 29. Dezember 2002 am Goetheanum“ veröffentlicht.

November 2002
Jakob Streit - verantwortlich für die Redaktion der von der Anthroposophischen Vereinigung in der Schweiz herausgegebenen „Mitteilungen aus der anthroposophischen Bewegung“ - übergibt dem Vorstand am Goetheanum die Schilderungen zweier Persönlichkeiten, denen Rudolf Steiner direkt mitgeteilt hat, dass die Weihnachtstagung 1923/24 gescheitert sei.

31. Oktober 2002
Vom Christian Rosenkreutz-Zweig wird ein Brief an den Vorstand des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ versandt mit der Aufforderung, die Behauptung einer „Geschäftsführung ohne Auftrag“ für die am 28.12.1923 neubegründete Anthroposophische Gesellschaft und die Einberufung einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung dieser Gesellschaft nicht weiter aufrecht zu erhalten.

27. Oktober 2002
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 44 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint die Ankündigung der Einladung zu einer so genannten Außerordentlichen Mitgliederversammlung der am 28.12.1923 neubegründeten Anthroposophischen Gesellschaft, die angeblich kontinuierlich in „Geschäftführung ohne Auftrag“ durch den Vorstand des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ geführt bis heute besteht. - Gleichzeitig wird der Ausschluß eines Mitgliedes ohne Angabe von Gründen auf Vorstandsbeschluß aus der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ bekanntgegeben.

13. Oktober 2002
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 42 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheinen Berichte und Stellungnahmen des Vorstandes zur „Informations- und Gesprächstagung für Mitglieder zur Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft“ vom 25./26. September 2002. Hierin werden die bei dieser Tagung ausgelegten Schriften sämtlich aufgelistet. Einzig die ausgelegte „Sonderausgabe Michaeli 2002“ der so genannten „Rosa Blätter“ wird nicht erwähnt.

Oktober 2002
Die „Freie Anthroposophische Vereinigung – Arbeitskreis Zeitfragen“, Pforzheim versendet einen Aufruf: „Zur Absicht des Dornacher Vorstandes, die Weihnachtstagungsgesellschaft zu 'rekonstituieren' “.
Die „Anthroposophische Vereinigung in der Schweiz“ fordert in einem Brief den Vorstand des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ auf, sein Vorhaben einer „Rekonstituierung der Anthroposophischen Gesellschaft“ nicht wie geplant umzusetzen.

25./26. September 2002
In Dornach findet eine „Informations- und Gesprächstagung für Mitglieder zur Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft“ statt. - Mitglieder des Christian Rosenkreutz-Zweiges nehmen an ihr aktiv teil und legen die neuerschienene „Sonderausgabe Michaeli 2002“ der so genannten „Rosa Blätter“ aus, die sich inhaltlich mit den Vorgängen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft beschäftigt, anknüpfend an die 1961 bis 1967 erschienenen Ausgaben, insbesondere den dort erschienenen „Lebenslauf der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 1913-1925“.

28. April 2002
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 18 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheinen das „Gutachten betreffend die Konstituierung der Anthroposophischen Gesellschaft“ von Prof. Dr. Andreas Furrer und Dr. Jürgen Erdmenger, sowie die „Erklärung des Vorstandes zum gegenwärtigen Konstitutionsprozeß der Anthroposophischen Gesellschaft“. - Eine Antwort hierauf findet sich in der „Sonderausgabe Michaeli 2002“ der so genannten „Rosa Blätter“.

21. April 2002
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 17 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint der von Bodo von Plato und Paul Mackay bei der Generalversammlung des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ vorgetragene Rechenschaftsbericht mit der „Erklärung des Vorstandes zum gegenwärtigen Konstitutionsprozeß der Anthroposophischen Gesellschaft“.

23./24. März 2002
In Dornach findet die ordentliche Generalversammlung des Vereins „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ statt, bei der der Vorstand eine „Erklärung zum gegenwärtigen Konstitutionsprozeß der Anthroposophischen Gesellschaft“ (siehe oben 21./28.4.2002) abgibt und damit die Arbeit der Konstitutionsgruppe aushebelt.

6. Februar 2002
Prof. Dr. Andreas Furrer (Zürich) und Dr. Jürgen Erdmenger (Brüssel) geben eine „Stellungnahme betreffend die Konstituierung der Anthroposophischen Gesellschaft“ ab.

13. Mai und 24. Juni 2001
Im Mitgliederteil „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ Nr. 20 und Nr. 26 der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erscheint „Ein erstes Ergebnis der Arbeitsgruppe zur Klärung der Konstitutionsfrage der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und zur Erarbeitung eines Entwurfes ihrer erneuerten Verfassung“, das so genannte „Mannheimer Ergebnis“.

9. und 22. März 2000
Prof. Dr. H. M. Riemer gibt ein „Rechtsgutachten in Sachen Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG), Verein im Sinne von Artikel 60ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) mit Sitz in Dornach, Solothurn, betreffend das Verhältnis zur Weihnachtstagungsgesellschaft 1923 / AAG“ ab und Paul Mackay erläutert dieses in „Zur Konstitution: Erläuterung und Dokumentation eines Rechtsgutachtens zum konkludenten Verhalten“.

Andreas Wilke
Anthroposophische Gesellschaft Christian-Rosenkreutz-Zweig, Hamburg e. V.
Kösterstr. 10
20251 Hamburg


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78 Jahre Anthroposophische Gesellschaft (AG) - Wirklichkeit? Gespenst, Täuschung?

Dieter Dürich

Wenn wir 78 Jahre zurückschauen, kommen wir zum Jahr 1925. In diesem Jahr fielen tiefgreifende Entscheidungen für den weiteren Lebenslauf der Anthroposophie, auf Grund tragischer, vorangegangener Ereignisse, z.B. der 8. Februar 1925. Diese davor liegenden Ereignisse bis hin zur Weihnachtstagung (WT) sollen hier nicht besprochen werden. Dazu liegen bereits genügend Erkenntnisse vor. (s. z.B. den Artikel von K. Buchleitner, „Lazarus“-Heft 3/2002)
Hier wird jetzt die Aufmerksamkeit des Lesers darauf gerichtet, von geisteswissenschaftlicher Seite einige wesentliche Tatsachen zu verstehen. Geisteswissenschaft ist mit Anthroposophie
eng und innig verbunden. Erstere kann uns eine große Hilfe sein, um Klarheit in die vorhandene Verwirrung zu bringen. Wir wissen aus letzterer, dass überall Geistiges wirksam ist. Dazu brauchen wir bei den folgenden Ausführungen weder hellsichtig noch ein Eingeweihter zu sein. R. Steiner gibt uns genügend Hinweise, durch welche Eigenschaften wir diese wie jene Geistwesen erkennen können. Auch weist er - nicht immer an der gleichen Stelle - darauf hin, wie wir uns zu den geistigen Wesen verhalten können. Entweder uns mit ihnen zu verbinden oder auch sie zu überwin-den.
Der Unterschied zwischen der AAG und der AG wurde bereits von einigen Wenigen vor etwa 40 Jahren, später dann immer deutlicher auch von anderen, herausgearbeitet. Das alles kann jeder selbst begreifen, sofern wenigstens noch ein bißchen Wahrheitswille vorhanden ist! Hier geht es jetzt nur darum, einige wesentliche Geistigkeiten zu erkennen, die in den letzten 70- 80 Jahren of- fenbar wurden, auch heute noch.
Der entscheidende Eindruck zum Ereignis vom 8. 2. 1925 ist der einer enormen Verwirrung, eines fast undurchsichtigen, dunklen Dschungels! Von ahrimanischen Wesen stammt die Verwirrungs- welle, unterstützt durch die menschliche Oberflächlichkeit, die dann zur Gedankenverwirrung führt. Es gibt Menschen, die das wissen und damit rechnen, um durch Verwirrung mit Hilfe Ahrimans ihre Ziele zu erreichen. (1) Ahrimanische  Wesen wirken in vielfältiger Weise, z.B. stecken sie besonders im heutigen Geldwesen, Machtstreben, Täuschung, alles was auf ein Monom gebracht bzw. reduziert werden soll. Sein jüngstes „Kind“ ist das Genom. In dem Parteiwesen steckt er, in der materialistischen Denkweise, im abstrakten Intellekt, vor allem auch in der sich ständig ausbreitenden Elektrizität usw. usw. Sogar farblich zeigt er sich, wenn schwarze Schrift auf gelben Untergrund erscheint. Eine ganz  verbreitete Methode, besonders in der Reklame. (2)
Dann sind es die Unwahrheiten, die Lügen, die auch in unseren Kreisen verbreitet wurden und auch immer noch werden. Diese Geistigkeit, die uns den Hang zur Lüge einverleibt ist Luzifer.
Luziferische Wesenheiten bewirken in uns als Weiteres den Egoismus, Selbstsucht usw. (3)
Damit sind zwei entscheidende Wesenheiten aus einer bestimmten Perspektive geschildert und wie sie wirken. Es gibt dann noch andere, wie z.B. die Asuras und den Sorath. Darüber kann man sich ebenfalls in R. Steiners Werken informieren, wie sie wirken.
Jetzt soll nur noch auf einige negative Elementarwesen hingewiesen werden, die durch uns Menschen selbst entstehen. Eine Gruppe sind die Spektren oder auch Gespenster genannt. Sie entstehen durch die Nachwirkungen schlechter Gesetze oder schlechter sozialer Einrichtungen. In der menschlichen Seele werden dadurch Abschnürungen in der Nacht gebildet, im Ätherleib; das ist die Gruppe der Gespenster. Diese üben eine schlimme Wirkung auf unseren Ätherleib aus. Deswegen stelle ich hier die Gespenster an den Anfang. Wir leben seit dem vorigen Jahrhundert in etwas Neuem, dem ätherischen Zeitalter. Ab 1933 sollen erstmalig Menschen geboren werden mit der na
türlichen Fähigkeit des ätherischen Hellsehens. Auch sind damit die ätherischen Bildekräfte gemeint, die immer mehr erkannt werden sollen, um zu lernen, sie handzuhaben, z.B. im biol.- dyn. Landbau u.a.
Weitere Elementarwesen, genannt Phantome, werden durch Heuchelei, Unwahrhaftigkeit und Verleumdung gebildet. Sie halten die menschliche Entwicklung auf und machen das, was in der Welt lebt, noch schlechter. Sie wirken auf unseren physischen Leib, z.B. dass durch diese Wesen Krankheitserreger wie Bazillen und Bakterien entstehen.
Die Elementarwesen, die unseren Astralleib durchsetzen, erzeugen wir durch unsoziales Verhalten, falsche, unwahre und lügnerische Gedanken. Sie heißen Dämonen. (4)
Durch die uns durch R. Steiner gegebenen Erkenntnisse und Hinweise diesbezüglich besteht nun die Möglichkeit, vieles in der Welt besser zu durchschauen. Den Weg zu den Ursachen zu finden.- Mit dem Strom treiben tote Fische, wer zu den Quellen will, muß gegen den Strom schwimmen! -
Unser Zeitalter läßt sich auch noch dadurch besser verstehen, dass wir unser „Spiegelbild“, das ägyptisch-babylonische Kulturzeitalter tiefer betrachten. Diese Kultur wurde durch Hermes- Trismegistos inauguriert, aus der Urweltweisheit heraus. Sie kam dann später immer mehr in die Dekadenz, in die Korruption des Spirituellen, bis hin zur schwarzen Magie. (5) Ägypten wurde z. B. damals in Gaue eingeteilt. Zu Hitlers Zeiten gab es die Gauleiter. Es gibt etliche Zusammenhänge aus der 3. zur 5. Kulturepoche. (6)
Zur Existenz der AG, die 1923/24 auf der WT durch R. Steiner erneuert wurde, ist die Tatsache noch einzufügen, dass er keine Jahresversammlung zu Anfang des Jahresbeginns 1925 für die AG durchführte. Gem. § 10 der WT-Statuten hätte das geschehen müssen. Also hatten diese Statuten doch keine Gültigkeit mehr! Was geschah mit der AG in den vorangegangenen Monaten? Da der Impuls der Geist der Weihnachtstagung 1923/24 bis zu Michaeli 1924 nicht genügend Menschen fand, durch die er wirken konnte, zog er sich zurück!
Diese weltweite Tragik ist kaum zu fassen!! Nur Marie Steiner konnte es! (s.o., Artikel von K. Buchleitner)
Wer war eigentlich diese Individualität? Dieses kosmische Wesen? R. Steiner weist von einer bestimmten Seite darauf hin: „Marie von Sivers selbst wird aber immer bei mir sein. Unsere Eini-gung bleibt unlöslich.“ ( 7) - Ein tiefes Geheimnis! Ein Mysterium? - Und wie wurde sie behandelt, damals wie heute noch?! ...
Ob die durch R. Steiner eingerichtete Freie Hochschule für Geisteswissenschaft nach seinem Tod noch existierte, ist daran zu erkennen, dass dieser Impuls zurückgenommen wurde. Er ernannte keinen Nachfolger! Das wäre nach §7 der WT-Statuten erforderlich gewesen. Hier taucht die Frage ebenfalls wieder auf: Wirklichkeit? Gespenst, Täuschung? Wo finden wir eigentlich das Wesen Anthroposophie innerhalb der AAG?!
Anthroposophie soll Kulturfaktor werden, jetzt, zu dieser Jahrtausendwende, zur Kulmination kommen. Warum? Weil jetzt die Widersachermächte den Höhepunkt ihres Wirkens erreichen. Die Menschheit könnte durch deren Überwindung einen großen Sprung nach vorwärts schaffen!
Es bestehen bereits schon seit Jahrzehnten eminent wichtige Fragen. Was wollen uns Rudolf Steiner und Marie Steiner eigentlich heute sagen? Gibt es Menschen, die das hören können? Sind die Tore zur geistigen Welt für die Allgemeinheit seit dem Tod R. Steiners wieder verschlossen? Und was ganz entscheidend für die weitere Entwicklung der Menschheit ist: Ging das Ereignis des Wahrnehmens des ätherischen Christus an uns vorbei? Dass er im Ätherischen lebt, kann keine Macht der Welt verhindern, so R. Steiner. Jedoch das Wahrnehmen könnte verschlafen werden, spurlos an der Menschheit vorübergehen, es verfehlen könnte! (8) „..., was die Menschen des 5. nachatlantischen Zeitraum kennenlernen müssen, das ist: den vollbewußten Kampf gegen das in

der Menschheitsentwicklung auftretende Böse.“ (9) Wurde das auch verschlafen?!
Wenn die Anthroposophie durch uns jetzt zur Jahrtausendwende nicht zur Kulmination kommen sollte, was dann? Dann neigt sich die Waage eben nach unten zu Gunsten der Widersacher. Die Folge davon wäre „..., dann würde die Erde in Materialismus versinken und die Menschheit müßte von neuern anfangen, entweder - nach einer großen Katastrophe - auf der Erde selber oder auf einem nächsten Planeten.“ (10)
Vielleicht gibt es doch noch eine Chance für uns durch die überfällige Katharsis. Vorausgesetzt; das Wesen Anthroposophie hat sich noch nicht zurückgezogen! Dann bestünde vielleicht noch die Möglichkeit der Gnade! „Die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ (Johannes 1,17) Einmal kann sich uns damit zeigen das Wesen der Wahrheit selbst. Wer an dieser kein Interesse mehr zeigt, hat auch an jenem Wesen keine.
Also rufen wir alle unsere Herzenskräfte auf, um gemeinsam - ehe es zu spät ist - der Gnade vielleicht noch teilhaftig zu werden! Uns dafür würdig zu erweisen!
Auf der Urne von Graf Karl Keyserlingk steht geschrieben: „Stätten schaffen des Friedens und der Liebe, auf denen der Christus auferstehen kann.“

Dieter Dürich
Hallestr. 59
Braunschweig

 
Literaturhinweise
(1) GA 190, 5.4.1919, S. 112-114
(2) GA 148, 18.12.1913, S. 319,320. u. GA 193, 27.10. u. 4.11.1919
(3) GA 121, 15.6.1910, S. 157
(4) Vom Wesen des Lebendigen, E. Hagemann, S. 120-125, auch Archiv-Vortrag von
R. Steiner, Elementarwesen: Spektren, Phantome, Dämonen, Köln, 9.6.1908
(5) GA tb 6650, Das Markus-Evangelium, 24.9.1912, S. 189 ff
(6) GA 106, 12.9.1908, S. 144
(7) G A 262, S. 105
(8) GA 118, 25.1.1910, S. 51 u. GA 121, 17.6.1910, S. 187
(9) GA 178, 18.11.1915, S. 175
(10) GA 118, 27.2.1910, S. 89


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Gefangenschaft der Geistesleere.
Gedanken über die Hintergründe zweier Vermächtnisse  

Irene Diet

In der jüngsten Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft sind zwei „Fälle“ zu verzeichnen, wonach ein führendes Mitglied dieser Gesellschaft eine – in einer gewissen Weise überraschende – Tat vollbrachte und nicht lange danach verstarb. Inhalt und Form dessen, was da zum Vorschein kam, lassen es zu, von Vermächtnissen zu reden, die diese Menschen gleichsam im Vorgefühl ihres eigenen Todes ihren Nachfolgern hinterließen. Interessant ist, dass beide Vermächtnisse von Vorstandsmitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft ausgingen, die lange Jahre zusammen gearbeitet haben: Und zwar von Hagen Biesantz und von Manfred Schmidt-Brabant.

Hagen Biesantz und das Schicksal Blavatskys
Es war zur Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft am 8. April 1995 in Dornach, dass Hagen Biesantz, der seit 1966 im Vorstand mitarbeitete, zum letzten Mal das Wort ergriff.  Gleich zu Anfang seiner Rede erzählte er vom Drama des finnischen Theosophen Pekka Ervast (1875-1934), das unter dem Namen „H.P.B.“ (Abkürzung für Helena Petrovna Blavastky) im Jahre 1931 im Nationaltheater in Helsinki aufgeführt worden war.  Dieses Drama beschreibt die okkulte Gefangenschaft, in die Blavatsky infolge ihrer Mitarbeit in einer internationalen  Bruderschaft gesetzt worden war - und dies, da sie erkannt hatte, dass der Chairman dieser die Weltherrschaft anstrebenden geheimen Hochgradloge in Wahrheit ein hocheingeweihter Jesuit gewesen ist. Diese tatsächlich stattgefundene „Gefangenschaft“ Blavatskys war, so Rudolf Steiner,  das Ergebnis ganz bestimmter rituell-magischer Handlungen, die in besagten Hochgradlogen vollzogen worden waren, und das mit dem Ziel, die geistige Wirksamkeit Blavatskys – übrigens ohne dass es diese selbst bemerkte - in sich selbst zurückfallen und also für die Aussenwelt unwirksam werden zu lassen.
Die Ausführungen von Hagen Biesantz, der  nicht lange danach verstarb, standen im Zusammenhang mit ganz bestimmten Ereignissen innerhalb der französischen Landesgesellschaft der AG: Und zwar hatte diese Landesgesellschaft ihre Generalversammlung, an der Manfred Schmidt-Brabant seit Jahren wegen seiner intensiven Beziehungen zu Frankreich teilnahm, in einem aktiven jesuitischen Kulturzentrum namens Les Fontaines in Chantilly bei Paris geplant. Dies sollte geschehen, ohne  dass dem eine aufklärende Diskussion vorangegangen wäre.  
Hochgradlogen, Jesuitismus, okkulte Gefangenschaft – diese Themen, die schon vor sieben Jahren zeitweilig im Mittelpunkt der Diskussion innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gestanden haben, waren von Hagen Biesantz in seiner letzten Rede aufgegriffen worden. Er hatte sie – entsprechend der vorangegangenen Ereignisse - in einen Zusammenhang zur Lage der Anthroposophischen Gesellschaft und damit zu Rudolf Steiner gebracht. Doch nicht nur dies – dem Zuhörer seiner Ausführungen konnte nicht entgehen, dass Hagen Biesantz damit eine Problematik aufgriff, mit der er selbst verbunden gewesen ist. – So beschrieb er eine Szene aus dem Drama, bei der während einer in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Paris stattfindenden Logensitzung vom dort anwesenden österreichischen Bruder der Name eines Jungen genannt wurde, der den Weltmachtbestrebungen dieser Bruderschaft gefährlich werden könnte: der Name Rudolf Steiners. Daraufhin überlegte der Vorsitzende der Versammlung eine Weile, und erwiderte - zumindest nach Hagen Biesantz  - folgendes: „Ja, wir haben da ein gutes, altes Mittel. Dieser Knabe wird zwar die Fähigkeiten haben, er wird auch die Stärke und die Ausstrahlung haben, um die Menschen zu versammeln, dass sie sich vereinen in dem Bemühen, diese sozusagen okkulte Schulung durchzuführen, und eigentlich kann man nicht darauf zählen, dass diesem Knaben das nicht gelingen wird. Aber wir haben ein gutes, altes Mittel. Wir werden nämlich dafür sorgen, dass sich die engsten Freunde und Mitarbeiter dieses künftigen Mannes und Geistesführers untereinander streiten und durch den Streit die ganze Wirksamkeit dieses Mannes annullieren.“
Allerdings war Hagen Biesantz bei der Interpretation dieser Szene ein Fehler unterlaufen. Liest man das Drama nämlich in seinem wirklichen Wortlaut, so wird man merken, dass diese Stelle etwas anders zu verstehen ist. Hat doch Pekka Ervast, der übrigens mit Rudolf Steiner persönlich bekannt gewesen ist, seinen Chairman, nachdem dieser den Namen Rudolf Steiners vernommen hatte, folgendes sagen lassen: „Ein kraftvoller Name, aber nicht so gefährlich wie Ihr befürchtet, Frater Austro-Hungarice, und auch Ihr solltet Euch diesen Rat einprägen, Frater Germane: Wenn dieser Mann auf der Bühne des öffentlichen Lebens erscheint, sorgt dafür, dass er und seine ersten Anhänger miteinander in Streit geraten. Ihn könnt Ihr wahrscheinlich nicht beeinflussen, aber die Schüler und Arbeiter, die ihn umgeben.“
Während Hagen Biesantz den Blick seiner Zuhörer darauf lenken wollte, dass im Jahre 1935 zusammen mit Ita Wegman und Elisabeth Vreede ganze Teile der Mitgliedschaft aus der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen worden waren und sich die Anhängerschaft Rudolf Steiners nach seinem Tode untereinander zerstritten hatte, sprach Pekka Ervast von einem Streit, der nicht nur zwischen seinen Schülern, sondern auch zwischen ihnen und Rudolf Steiner ausbrechen würde. Die Grundaussagen beider Interpretationen sind also wesentlich voneinander unterschieden. Und zwar so verschieden, dass uns diese Verschiedenheit zum Wegweiser dessen werden kann, was innerhalb bestimmter Kreise – und dann auch in der Anthroposophenschaft - tatsächlich stattgefunden haben könnte.

Umgeben von den Mauern einer okkulten Gefangenschaft ?
Wenige Jahre nach Hagen Biesantz trat erneut ein führendes Mitglied des Vorstandes der Anthroposophischen Gesellschaft hervor, um mit seinen Worten eine ganze Versammlung zu überraschen, ja zu erschrecken: Manfred Schmidt-Brabant. Während seines am 29. September 2000 gehaltenen Eröffnungsvortrags zur Michaeli-Konferenz umschrieb er – damals schon schwerkrank und sicherlich im Bewusstsein seines nahen Todes – die „okkulte Gefangenschaft“, in der sich die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft befinden würden. „Trotz aller Einrichtungen, unendlicher Arbeit in Vorträgen und Kursen: Wir bleiben stecken wie in einem Ghetto“, so Schmidt-Brabant.  „Wir kommen nicht hinaus, wir kommen nicht hinaus in dem Maße, in dem, ihrer Bedeutung nach, Anthroposophie längst in der Welt hätte wirksam werden sollen. Und gibt es nicht auch diese okkulte Gefangenschaft nach innen? haben sich die Freunde immer wieder gefragt. Ist es nicht so, wie wenn da die Mauern auch zwischen den Menschen aufgerichtet sind ? (...) Wer von den Tätigen kennt nicht jene Erlebnisse, wo man im Kreise sitzt zu irgendeinem Problem, und es wird Hervorragendes gesagt, Richtiges gesagt, Ergänzendes gesagt – und zum Schluss ist nichts passiert! Man geht auseinander, und jeder ist frustriert, wie wenn es da zwischen den Menschen etwas gäbe, was sie hindert, mit ihrem Streben sich zu vereinigen und dadurch kraftvoll zu wirken. So ist die Frage nicht ganz unberechtigt, man kann sie ja ganz vorsichtig stellen: Liegen nicht immer wieder Ansätze einer ‚okkulten Gefangenschaft‘ im Wirken nach außen und im Wirken nach innen im Schicksal dieser Anthroposophie, dieser Gesellschaft?“
Die Worte Schmidt-Brabants über die mögliche okkulte Gefangenschaft der Mitglieder der Gesellschaft, deren Vorsitz er seit 25 Jahren innehatte, sind erst nach und nach in die Öffentlichkeit gelangt,  und scheinen heute – ein Jahr nach dem Ableben dieses Menschen – vom neuen Vorstand schon völlig vergessen. Dies ist um so gravierender, wenn man weiß, dass die zu Michaeli 2000 ausgesprochenen Worte in einem wesenhaften Zusammenhang zum Leben und Wirken des ersten Vorsitzenden stehen, der sich bekanntlich selbst eingehend mit okkulten Logen, Freimaurerei und Magie beschäftigt hat, und gleichzeitig immer wieder Angriffen ausgesetzt war, die ihm ein Mit-Treiben innerhalb derartiger Mächtegruppierungen vorwarfen. Und darum meine ich, dass sowohl Hagen Biesantz als auch Manfred Schmidt-Brabant ernster genommen werden sollten, als dies bisher geschehen ist. Ganz gleich, wie sich diese ihre Äußerungen zu ihrem Lebenswerk verhalten, ganz gleich, ob hier Wahres oder weniger Wahres erkannt worden ist – gerade Menschen, die sich mit Anthroposophie beschäftigen, müssten wissen, dass, wenn Derartiges so kurz vor Lebensende nicht nur ins Bewusstsein, sondern sogar in öffentliche Reden einfließt, dies bedeutungsschwerer ist als alles, was Menschen zu sagen vermögen, deren Blick noch vom Kampf um die Erfolge ihrer Absichten getrübt werden kann.
Hagen Biesantz und Manfred Schmidt-Brabant gehen beide davon aus, dass Anthroposophie nicht zu dem geworden ist, zu dem sie hätte werden können: Zu einer Geisteswissenschaft, die die Menschheit in menschengemäßer Weise über die Schwelle des Jahrtausends – in die Zukunft hinein – zu führen vermag. Ja, mehr noch: denkt man ihre Äusserungen zu Ende, so ergibt sie, dass die wahren Intentionen Rudolf Steiners nicht nur nicht erfüllt, sondern sogar in ihr Gegenteil ver-kehrt worden sein könnten. Um diesem Empfinden, das infolge jahrelanger Beobachtungen entstanden ist, nachgehen zu können, muss von einer Frage ausgegangen werden, die gewiss die al-lerschwerste Frage überhaupt ist, die man in diesem Zusammenhang stellen kann. Und zwar die Frage: Was ist und was will Anthroposophie ?

Was ist und was will Anthroposophie ?
Die erste Beobachtung, die man machen kann, wenn man diese Frage an sich selbst stellt, könnte so beschrieben werden: Anthroposophie hat – versucht man sich so ernsthaft mit ihr zu verbinden, wie dies möglich ist – die Eigenart, etwas nicht zu verlieren, was jedes andere Wissensgebiet, jede andere Wissenschaft in dem Maße verliert, in dem man in sie eindringt: Und zwar die Rätselhaftigkeit. Anthroposophie wird immer rätselhafter, je mehr und je tiefgründiger ich mich mit ihr beschäftige, denn dieses Rätselhafte liegt nicht nur in jedem Buch und in jedem Vortrag Rudolf Steiners, sondern jeder Gedankengang, jeder Satz aus seiner Feder scheint berührt davon. Dies aber ist ein Paradox, besteht doch die Anthroposophie Rudolf Steiners darin, Weltenrätsel und Menschengeheimnisse aufzudecken, zu enthüllen ! Und dennoch werde ich die Erfahrung machen müssen: Hinter jedem Schleier, der sich – nach langer und konzentrierter Gedankenarbeit – lüftet, finden sich neue Schleier, die ich wohl mit meinem Empfinden zu durchdringen ahne, nicht aber mit meinem Wissen! Und so beginne ich meinen Weg durch die verschiedenen Schichten des Geheimnisses, das immer größer wird, je mehr ich es mit meinen Erkenntniskräften zu durchdringen vermag.
Doch hat diese Rätselhaftigkeit eine ganz besondere Eigenschaft: Und zwar kann sie, je mehr und je ehrlicher ich mich auf sie einlasse, dazu führen, dass ich gerade in dem Unergründlichen des Rätsels, das mir aus dem Werk Rudolf Steiners entgegentritt, zu einer Zwiesprache mit mir selbst, oder besser: mit meinem Schicksal, finde. Es kann ein Empfinden entstehen, als ob die Rätselhaftigkeit meines eigenen Schicksals mir aus jedem Buch, jedem Vortrag, jedem Satz Rudolf Steiners entgegenkäme. Vertiefe ich mich in seine Worte, so beginne ich ein Zwiegespräch: Ein Zwiegespräch mit mir selbst. - Doch bald bemerke ich: Ich führe nicht nur ein Gespräch mit mir, sondern über dieses innere Gespräch spricht eine Wesenheit zu mir, die der Träger dieser Zwiesprache ist: Rudolf Steiner.
Dies ist das erste, was ich erfahren kann, versuche ich meine eigene Beschäftigung mit Anthroposophie zu beobachten. Denn bald werde ich eine weitere Beobachtung machen: Ich kann erleben, wie etwas von dem, was ich an den Worten Rudolf Steiners erfahren habe, mir nicht nur aus dessen Werk entgegentritt, sondern auch aus den Worten des anderen, des Menschen, der mir gegenübersteht. In gewissen Zusammenhängen, in Seminaren z.B., in denen man sich mit Anthroposophie zu beschäftigen versucht, und in denen die Stimmung verinnerlichten, konzentrierten Lauschens vorherrscht, kann ich erleben: Jetzt befindet sich die Anthroposophie  in demjenigen, der mir gegenübertritt, in dem Menschen, dessen Worte ich zu hören beginne. Wieder kommt etwas von aussen auf mich zu, was mit mir zusammenhängt. Und dieses Andere hat die Besonderheit, dass es – ebenso wie das Werk Rudolf Steiners – mehr und grösser scheint als dasjenige, was ich bisher selbst zu sein meinte.
Und so erfahre ich, dass Anthroposophie – Rudolf Steiner – mehr aus mir machen will, als ich bisher geworden bin. Sie will mein Denken schulen, sie will mein Fühlen verfeinern, sie will meinen Willen stärken. Und dies tut sie – jeder kann es beobachten, ist er nur sich selbst gegenüber ausreichend aufmerksam – auch tatsächlich: Mein Leben verändert sich, es nimmt gleichmäßigere, rhythmischere Formen an, und vor allem: Ich werde fähiger, etwas zu entwickeln, was man „Erkenntnis-Instinkt“ nennen könnte. Ich komme in die Lage, immer deutlicher zu empfinden, ob Wahres oder Unwahres geschieht, geschrieben oder gesagt wird. Dadurch, dass ich mich also auf die Rätselhaftigkeit der Anthroposophie einlasse, diese Rätselhaftigket aushalte und dennoch weiterhin versuche, Anthroposophie zu verstehen, verändere ich mich.
Diese gewiss sehr intimen Beobachtungen und Erlebnisse könnten angesichts der Fragen, die Hagen Biesantz und Manfred Schmidt-Brabant aufwarfen, fehl am Platze scheinen. Sprachen beide Vorstandsmitglieder nicht von einem viel höherem Standpunkt aus, als es der beschriebene intime, persönliche sein kann, und zwar vom Standpunkt der Verantwortung für eine Weltgesellschaft, die sie ja innehatten?
Die Antwort auf diese Frage führt uns zum Kern des Problems.

Bilder als Gefängnismauern
Die Idee der okkulten Gefangenschaft, in der sich die Anthroposophische Gesellschaft befinden soll, griff Manfred Schmidt-Brabant in Anlehnung an gewisse Äußerungen Rudolf Steiners auf, die dieser am Ende eines Vortragszyklus in Penmaenmawr gemacht hatte, und zwar, nachdem er auf ein damals viel diskutiertes Ereignis eingegangen war: Auf die berühmten Photos vom gefallenen Sohn des englischen Physikers Oliver Lodge, die man diesem, schon bevor er sie in den Händen hielt, in einer spiritistischen Sitzung beschrieben hatte.  In einem Buch erzählte Oliver Lodge, wie durch mediale Vermittlung die Seele seines Sohnes zu ihm gesprochen habe.
Das Phänomen, auf das Rudolf Steiner mit diesem Beispiel zielen wollte, war folgendes: Während Oliver Lodge gewisse Denkinhalte einer übersinnlichen Welt entnommen hatte (hier: die Toten sind nicht tot, man kann mit ihnen kommunizieren), entsprachen die Methoden seiner Untersuchung den allgemein üblichen naturwissenschaftlichen Erkenntnismethoden (dem Experiment). Und es sind die auf diese Weise geschaffenen Bilder (hier das Bild des nach seinem Tode weiterhin mit seinem Vater in Kontakt bleibenden Sohnes), welche, wie Rudolf Steiner in einem am Vormittag desselben Tages gehaltenen Vortrags ausführte,  eine „okkulte Gefangenschaft“ begründen. „Leute, die okkulten Unfug treiben, machen das so mit ihren Schülern, die sie nicht so recht besitzen“, hatte er erklärt. „Der Mensch wird in dieser okkulten Gefangenschaft von Bildern umgeben, die ihm als Bilder nicht klar werden, aus denen er nicht herauskommt. Er ist in einem Bildergefängnis.“ - Doch nicht nur „Leute, die okkulten Unfug treiben“, können diese Wirkung haben, sondern auch geistige Wesenheiten, die dann „los werden in der Natur, wenn wir die Natur nicht geistig begreifen“. Diese Wesenheiten hängen also mit der Art und Weise der Erkenntnis zusammen, mit denen der Mensch der Welt begegnet. „Solch eine okkulte Gefangenschaft stellt diese Bilder um einen her, man kann nicht hinausschauen in die freien Geistes- und Sternenbilder“, erklärte Rudolf Steiner weiter. Und dies, weil sich derartige Bilder „wie die seelischen Wände, die geistigen Wände eines Gefängnishauses, in dem man sich dabei geistig befindet“, hinstellen.
Ein „okkultes Gefängnis“ entsteht also dann - folgen wir den Ausführungen Rudolf Steiners - wenn übersinnliche Zusammenhänge in Bildern erscheinen, die geistig undurchlässig sind. In Bildern also, die, anstatt in geistige Realitäten hineinzuführen, sich vor diese Realitäten auftürmen und den Zugang zu ihnen versperren. Und das geschieht dadurch, dass sie die Illusion wachrufen, sie selbst seien diese Realität. – An anderer Stelle hat Rudolf Steiner dieses immer mehr um sich greifende Phänomen entsprechend eines im Okkultismus gängigen Begriffes einmal die „achte Sphäre“ genannt.

Gedankenform und Bild
Ob ein Bild zur „geistigen Wand eines Gefängnishauses“ wird oder ob es die Kraft in sich trägt, über sich selbst hinaus- und „in die freien Geistes- und Sternenbilder“ hineinzuführen, hängt von der Qualität des Bildes ab. Doch handelt es sich hierbei weniger um Bilder im üblichen Sinne, als vielmehr um solche, deren Bildnatur Ideen sind. Diese Bilder erhalten ihre Gestalt aus den Inhalten und mehr noch aus den Formen der Gedanken, die sie bilden. Und diese Formen können – bei gleichen oder ähnlichen Inhalten – stark voneinander unterschieden sein.
Rudolf Steiner bezeichnete einmal dasjenige, was hier mit „Gedankenform“ angedeutet werden soll, als die „Qualitäten des Geistigen“, die sich aus den Worten eines Denkers aussprechen. „Man muss nicht darauf sehen, ob einem inhaltlich etwas gefällt oder missfällt, sondern ob es geistige Qualitäten hat“, erklärte er am 30. Juli 1920.  „Es ist viel wichtiger für den Gesamteffekt der Weltevolution, dass ein genialer Materialist da ist, der den Materialismus genial vertritt – dazu gehört Geist, und manchmal gehört sehr wenig Geist dazu, um platte Mystik zu vertreten. Der platte Mystiker kann unter Umständen viel mehr zur Vermaterialisierung der Welt beitragen als der geniale Materialist. Auf die Qualitäten des Geistigen kommt es an. Darauf, dass dies erkannt wird, wird es viel mehr ankommen in der Zukunft als auf den Inhalt. Das ist es, was gelernt werden muss; denn wir wollen nicht den Geist anstreben als ein logisches System, sondern in seiner Realität, und da frage ich Sie: Können Sie sich nicht vorstellen, dass Geist lebt in dem geistvollen Materialisten, mehr als in dem platten Spiritualisten ? Diese Dinge, die müssen von der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft eingesehen und durchschaut werden, denn auf die Realität des Geistes kommt es an, nicht auf die abstrakte Behauptung des einen oder des andern. Das verkennt man gerade, wie sehr es wirklich ankommt auf Realitäten und nicht auf Theorien !“
Welcher Geist in einem Denker lebt, entscheidet also nicht (allein) der Inhalt seiner Gedanken, sondern etwas anderes, etwas, das „durchschaut“ werden muss von der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, die den Blick auf Realitäten lenken soll und nicht auf Theorien ! - Doch gilt gleiches für die „anthroposophisch orientierte Geiseswissenschaft“ selbst, so wie sie seit dem Tode Rudolf Steiners bis heute weiterlebt: Auch hier gilt es, nach Realitäten zu fragen und nicht nach Theorien, auch hier sind die Phänomene nicht nach dem zu beurteilen, als was sie sich darzustellen suchen, sondern als das, was sie sind. Oder mit anderen Worten: Anstatt nur auf den Inhalt einer Rede, einer Schrift zu sehen, sollte um die Erkenntnis der „Qualitäten des Geistigen“ gerungen werden. Es handelt sich darum, dass die Wesen, die sich aus den Worten des einen oder des anderen aussprechen, erkannt werden, dass der Geist in seinen verschiedenen Formen wahrgenommen wird, und man nicht dort Spiritualität vermutet, wo tatsächlich – trotz des Scheins – nur „platter Spiritismus“ vorherrscht.

Die „Qualitäten des Geistigen“
Ganz augenscheinlich ging es also Rudolf Steiner – und dies mag so manchen überraschen – viel weniger um den Inhalt dessen, was er schrieb oder sagte, als um die sich durch seine Worte aussprechenden „Qualitäten des Geistigen“, welche die theosophischen und später anthroposophischen Inhalte gleichsam nur als Träger brauchen. „Und da ist es von ungeheurer Notwendigkeit, wirklich das ernst zu nehmen, was hier so oft betont wird: Geisteswissenschaft nicht bloss als eine Theorie zu betrachten“, erklärte er z.B. am 1. Januar 1919 . „Wenn Sie sie als eine Theorie betrachten, dann lesen Sie lieber Kochbücher und dergleichen; denn das, was bloßer Inhalt ist in der Geisteswissenschaft, ist nicht das eigentlich Wesentliche und Wichtige. Das, worauf es ankommt, ist die Art, wie man denken muss, um Geisteswissenschaft anzuerkennen. Es ist eine andere Art des Denkens als diejenige, die man gerade aus dem heute gebräuchlichen Naturanschauen gewonnen hat. (...) Sehen Sie genauer hin, verfolgen Sie, was ich versuche in den verschiedenen Büchern über Geisteswissenschaft auszuführen, so werden Sie sich sagen: Nicht so sehr liegt der Unterschied in dem, was mitgeteilt wird – das kann man so oder so beurteilen -, aber aufmerksam sollte man werden, dass die ganze Art der Eingliederung der ganzen Welt, die ganze Art der Vorstellungen eine andere ist.“ Oder am 30. Juli 1920  : „In der Art und Weise, wie man die Dinge behandelt, liegt viel mehr das Geisteswissenschaftliche als in dem platten Vorbringen irgendwelcher mystischer Allgemeinheiten, von denen diejenigen, die sie vorbringen, meinen, dass sie ganz besonders gottbegnadete Wahrheiten seien, Diese Dinge müssen betrachtet werden, denn wir gehen einem Zeitalter entgegen, wo wir über das bloß Inhaltliche des intellektuellen Lebens hinauskommen müssen.“
Ähnliches hat wohl Manfred Schmidt-Brabant geahnt, als er die Frage aufwarf, ob sich die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft nicht in einer „okkulten Gefangenschaft“ befänden. Denn als Ursache dafür nannte er ein Erkenntnisproblem: einen “Nominalismus im Denken“, von dem auch Anthroposophen beherrscht würden. Dieser „Nominalismus Im Denken“ bestände, so Schmidt-Brabant,  in der falschen Vorstellung, dass die Welt „unabhängig vom Erkennen des Menschen“ sei, und „die Begriffe, die wir uns bilden, „keine Bedeutung für die Weltentwicklung“ hätten. Und ebensowenig wie den Begriffen käme auch dem Individuum, das diese Begriffe ja aufnimmt, keine bleibende Bedeutung zu.
Wenngleich diese Umschreibung des Erkenntnisproblems natürlich mehr als unzureichend ist (wieso hat die Vorstellung, mein Denken sei wesenhaft, auch nur die mindeste Bedeutung für die tatsächliche Qualität meines Denkens ?), führt die von Schmidt-Brabant gestreifte Idee dennoch zur Frage: Was geschieht, wenn nicht erkannt wird, dass nicht die einzelnen Inhalte der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners das entscheidende sind, sondern die „Qualitäten des Geistigen“, das „andere Denken“, das diese Geisteswissenschaft ausmacht ? Was geschieht, wenn solche Worte wie „Ahriman“, „Michael“, „Ätherleib“, „Bewusstseinsseele“ etc. so gedacht werden, dass die Formen der Gedankenbildung nicht der Welt entsprechen, auf die diese Worte deuten möchten ? Könnte es also nicht tatsächlich sein, dass wir, die Anthroposophen nach Rudolf Steiner, uns alle in einem großartigen Bildergefängnis befinden – ummauert von unserem Missverständnis der von uns – und nicht von Rudolf Steiner - geschaffenen, bis in die Begriffe hinein institutionalisierten Anthroposophie ? Bestehen unsere Gefängnismauern also aus unserer Unfähigkeit, Anthroposophie anthroposophisch zu erfassen ? Doch was ist eine Anthroposophie anthroposophisch erfasst ? Und was sind die „Qualitäten des Geistigen“?
Oder: Was ist diese „andere Art des Denkens“?

Die „andere Art des Denkens“
Mit dieser Frage sind wir am Tor eines großen Rätsels angelangt, denn wieso ist eine Entgeistigung der Geisteswissenschaft möglich, jener Geisteswissenschaft, die doch der Träger des höchsten Geistes, des Christus-Geistes sein soll ? Und wenn dies möglich ist, dass aus den Worten derer, die sich mit Geisteswissenschaft beschäftigen, weniger Geist sprechen kann als aus den Worten eines geistvollen Materialisten – wie kann ich dies erkennen ?
Trägt man diese Fragen längere Zeit mit sich, und vor allem: Trägt man sie in seine Arbeit mit dem Werk Rudolf Steiners hinein, wird man bemerken, dass es dieses „andere Denken“ ist, das aus jedem Vortrag und aus jeder Schrift Rudolf Steiners spricht und ihnen die Rätselhaftigkeit verleiht, von der ich weiter oben schon gesprochen habe. Denn der Kern des Rätsels oder des Geheimnisses, das dem Werk Rudolf Steiners zugrunde liegt, ist diese „andere Art des Denkens“ – das „Geheimnis des Geheimnisses“, über das Rudolf Steiner selbst nur spärliche Äußerungen machte. Er lebt es vor, er führt den willigen Zuhörer oder Leser bis an die Schwelle, erlaubt ihm – zumindest am Rande – diese „andere Art des Denkens“ mitzuerleben. Doch dann lässt er ihn allein, denn er tut es wohl, aber er erklärt es nicht. Oder besser: Er erklärt es durchaus, allerdings in einer Sprache, für die man erst erwachen muß. Und dies ist, so meine ich, die eigentliche Aufgabe derer, die sich mit dem Werk Rudolf Steiners beschäftigen.
„Das ist der Ernst der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, der so wenig gewürdigt wird, weil die Menschen die gewöhnliche Gesinnung hineintragen in die geisteswissenschaftlichen Gebiete“, erklärte er am 30.Juli 1920,  „während die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nur richtig gelehrt werden kann, wenn man mit den Worten von der jenseitigen Welt spricht. Da haben die Worte ganz andere Bedeutung, da ist dasjenige, was hier schwer ist, was nach unten zieht, Zug nach oben. In der geistigen Welt muss man von dem, was uns hinunterzieht, so sprechen, dass es genau umgekehrt ist.“ – Die Worte verkehren sich also in ihrer Bedeutung, sie stehen in einem anderem Zusammenhang zueinander, weswegen es oft zu Aussagen kommt, die als „paradoxal“ bezeichnet werden können.
Und tatsächlich scheint das Werk Rudolf Steiners voller Paradoxe zu sein, wie: Nicht in der äußeren Welt, die in Wahrheit nur eine Erscheinungswelt (Maya) ist, finden wir Materie, sondern in den Prozessen, die sich der mystischen Innenschau ergeben.  Oder: „Vorne ist in Wahrheit hinten und hinten ist vorne, rechts ist links , links ist rechts, oben ist unten, unten ist oben, hoch ist Vertiefung und Vertiefung ist Erhebung“ , und, als Urbild des Paradoxes: Das absolut Gute (das Mysterium von Golgatha) hat zur Voraussetzung das absolut Böse (den Verrat des Judas). Doch nicht nur solcherart treten paradoxal erscheinende Zusammenhänge auf, sondern auch in den grammatikalischen Formen eines oder mehrerer einander nachfolgender Sätze.
Um sich in diese Art des Denkens hineinzubegeben, gilt es, sich von seinen gewöhnlichen, auf den Gesetzen der reinen Logik beruhenden Denkgewohnheiten zu lösen. Dadurch wird  eine innere Beweglichkeit herangebildet, die, so könnte man meinen, damit zusammenhängt, dass derjenige, der sich mit der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners beschäftigt, darauf vorbereitet wird, sich über die Urteile zu erheben, die seinem persönlichen, besonderen Standort in der Welt entsprechen. Ein solches Denken muss sich auf Dinge einlassen, die dem heutigen Menschen - gemäß seiner Konstitution - zunächst unangenehm sind, da es verlangt, dass er etwas von sich selbst „loslässt“. Dies aber kann zu einem Empfinden führen, als ob man sich verliere. Denn es müssen Denkgewohnheiten mitsamt den Inhalten unserer Vorstellungen, die unser gewohntes Selbstbewusstsein ausmachen, aufgegeben werden.
Wenn ich mich also auf die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners einlasse, begegne ich der Notwendigkeit, mich umwandeln, verändern zu müssen. Doch wird diese Veränderung nur stattfinden können, wenn die geisteswissenschaftlichen Bücher eben nicht so wie andere Bücher – wie Kochbücher z.B. – gelesen werden, sondern mit dem „ganzen Menschen“, nicht mit jenem „Menschenzwerg, der heute auf unseren gebräuchlichen Lehranstalten ausgebildet wird“. Denn Geisteswissenschaft kann nur verstanden werden, „wenn man bei jeder ihrer Vorstellungen leiden kann und sich freuen kann, wenn man Erhebungen hat und Niedergeschlagenheiten, wenn man verzweifeln möchte bei einem Worte, oder bei einem Worte glauben kann, erlöst zu werden, wenn man das Schicksalsmäßige in demjenigen, was man als schattenhafte Theorie gewöhnlich ansieht, ebenso ansieht wie in äußeren Taten (...).“  

Tod und Auferstehung
Rudolf Steiner spricht davon, dass auch das Denken durch den „Sündenfall“ gegangen ist, und sich – um das Christliche zu finden – umwandeln, im Inneren metamorphosieren, „über sich selbst erheben“ muss. Denn erst „durch den Christus in uns, das heißt in unserer Ideenwelt“, kann die geistige Welt wiedergefunden werden.  - In unzähligen Vorträgen hat Rudolf Steiner das Mysterium der Geburt, des Todes und der Wiederauferstehung des Christus beschrieben. Es liegt auf der Hand, dass diese als „Christologie“ bezeichnete Lehre nicht unabhängig von der Frage sein kann, die wir hier zu stellen versuchen.
Wie schon angedeutet, müssen die alten Denkformen zusammen mit den Vorstellungsinhalten, an die sie gebunden sind (und zu denen eben auch die Inhalte der Anthroposophie gehören können) aufgegeben werden, was in gewisser Weise einem Aufgeben meiner ganzen derzeitigen Persönlichkeit gleichkommt. Dies aber ist die Voraussetzung dafür, dass dasjenige stattfinden kann, von dem Rudolf Steiner immer wieder sprach: Und zwar die Loslösung des Denkens von seiner physisch-leiblichen Grundlage, vom physischen Gehirn.  Und erst dann, wenn sich das Denken von dieser Grundlage unabhängig gemacht hat, kann es anderen Gesetzen folgen als denen, die eben mit dieser Grundlage zusammenhängen. Erst dann kann es „lebendig“, „gestaltend“, „pflanzenhaft“ werden, da es nach den selben kosmischen Gesetzen gebildet wird wie eine Pflanze.  Damit aber verliert es den Charakter, den es durch seine Verflechtung mit meiner Ichheit erhalten hatte, es wird universell und entsteht nicht mehr in mir, sondern in den Dingen – es kommt mir sozusagen „von außen“ entgegen. - Hier liegt auch die soziale Dimension der Anthroposophie, denn ebenso, wie jeder andere, dem ich begegne, mehr mit meinem wahren Ich zu tun haben wird als ich selbst  (ein Paradox), findet auch das Denken erst zu seiner Wahrheit, wenn es vom anderen, vom Gegenüber, vom „Objekt“ ausgeht, das in dem Maße, wie ich in es eintauche, zu mir selbst, zum Subjekt wird. (Wieder ein Paradox) Erst dieses Denken ist wahrhaft schöpferisch, aus der ganz konkreten Gegenwart des Geistes gegeben und daher unabhängig von den Erinnerungen, die vom gewöhnlichen Denken wachgerufen werden müssen.
Wenn Manfred Schmidt-Brabant meint, wir (die Anthroposophen) müssten anerkennen, dass unser „Erkenntnisprozess ein wirklicher Weltprozess“ sei, so kann hier nur erwidert werden: das intellektuelle, nominalistische Denken, das er ja beobachtet hat, ist kein Weltprozess, dieses Denken hat keine Weltbedeutung. Es vergeht zusammen mit demjenigen, der es gedacht hat, es vergeht mit der Materie, an die es verhaften blieb. Erst jenes Denken, das sich nur dann entzündet, wenn ich mich zusammen mit ihm verliere, erst jenes Denken, das ein „Lauschen“ wird, ein Lauschen auf all das, was mir gegenübertritt, erst dieses Denken wird zur Tat, zum Weltenvorgang.

Rudolf Steiner
Es ist erstaunlich, dass Manfred Schmidt-Brabant, nachdem er viele Jahre damit verbracht hat, nach „alten Mysterienströmungen“ zu suchen, die von Rudolf Steiner nicht erwähnt wurden,  sein Leben mit der Frage beendet, die dieses Leben in gewisser Weise in Frage stellt. Denn wenn es in der von ihm geleiteten Anthroposophischen Gesellschaft nicht gelungen ist, die Entwicklung des von Rudolf Steiner vorgelebten „anderen Denkens“ als die wesentlichste Aufgabe zu erkennen, und diese sich daher in eine „okkulten Gefangenschaft“ begeben hat – was bedeutet das anderes, als dass Manfred Schmidt-Brabant mit der Ahnung einer Mitverantwortung für diese Situation gestorben ist ?
Ein Ausdruck des Prozesses, die Anthroposophie Rudolf Steiners endgültig von ihrem wirklichen Wesen zu lösen, ist der Versuch, die Vorstellung von einer Wesenheit in den Mittelpunkt zu stellen, die Rudolf Steiner gleichsam ersetzen soll: Und zwar die Wesenheit  „Anthroposophia“. Denn diese Art von Vorstellung besteht darin, dass die „Anthroposophia“ unabhängig von Rudolf Steiner existieren würde, und also wir alle denselben Blick auf sie und denselben Zugang zu ihr hätten wie Rudolf Steiner selbst. Insofern liegt dem von Hagen Biesantz an seinem Lebensende zitierten Drama eine Erscheinung zu Grunde, die sich zunehmend bewahrheitet: Das von gewissen Kreisen herbeigesehnte und unterstützte Sich-Enfernen derjenigen, die doch nichts anders als „Schüler Rudolf Steiners“ sein wollen, von diesem.
Jene, die in der Vorstellungswelt ihrer Zuhörer und Leser eine Anthroposophie errichten wollen, in der Rudolf Steiner nur noch der Platz eines „Zuschauers“ zukommt, und allen voran Sergej Prokofieff,  bemerken nicht, dass sie sich – ganz und gar in diesem Loslösungsprozess von Rudolf Steiner befangen – ausschließlich der Ideen(-inhalte) bedienen, die doch dem Werk Rudolf Steiners angehören. Doch im Unterschied zum Denken dieser Menschen, das sich – und dies wird an anderer Stelle genau nachgewiesen  – von seiner toten, intellektualistisch-konstruierten Form nicht befreit hat, ist das Denken Rudolf Steiners schöpferischer Weltprozess. Das heißt aber nichts anderes, als dass die von Rudolf Steiner dargestellten Inhalte nicht nur totes Spiegelbild sind, sondern Schöpfung.
Die Anthroposophie Rudolf Steiners ist seine ureigene Schöpfung. Und diese Schöpfung verliert in dem Augenblick jede Bedeutung für die Entwicklung desjenigen, der sich mit ihr beschäftigt, in dem er dies vergißt. Ja mehr noch: immer dann, wenn man den Schöpfer in seiner Schöpfung nicht wahrnimmt, wird die Schöpfung – die Anthroposophie Rudolf Steiners -  zu einem okkulten Gefängnis. Denn Bilder, die so erscheinen, dass in ihnen das Bewusstsein ihres Schöpfer fehlt, führen nicht zu dem, „wovon diese Bilder eigentlich das Abbild sind, gemalt sind“. Und so wird „der Mensch (...) von Bildern umgeben, die ihm als Bilder nicht klar werden, aus denen er nicht herauskommt.“  Er befindet sich in einer „okkulten Gefangenschaft“, die aus all den Worten und Bildern besteht, die der Anthroposophie Rudolf Steiners – unrechtmäßig - entnommen wurden. Dagegen erhält die Anthroposophie Rudolf Steiners immer dann ihre lebendige, keimende und wachsende Substanz zurück, wenn man ihr mit einem solchen Denken begegnet, das dem Wesen angemessen ist, dem sie doch entsprang.

Irene Diet
Paulsborner Str. 24
10709 Berlin

































































 

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